„Sugar Will“ oder Rena in London

März 12, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von silke-s

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Konzertreview zu DMB in London, 06. März 2010

Autor: Rena

Wer von uns hat die besondere Einzigartigkeit jedes DMB-Konzertes anderen gegenüber nicht auch schon mal zu erklären versucht: „Wie? Du fliegst für ein Konzert, für einen Abend nach London? Und Du hast in den zwei Wochen davor schon vier Konzerte derselben Band besucht?!“ Ja, habe ich: London sollte nach Hamburg, Berlin, Köln und Amsterdam den krönenden Abschluss bilden.

Während DMB im letzten Jahr mit den zwei Konzerten in der Brixton-Academy die Europatour gestartet haben – Ich hatte mich danach geärgert, nur für die erste Nacht Tickets bestellt zu haben, denn die tolle Atmosphäre in der im Art-Deko-Stil gehaltenen Academy hat einen wunderbaren Rahmen für die ersten Liveperformances von „Big Whiskey“ abgegeben –, hatte man nun diese intim anmutenden Location gegen die „World of entertainment under one roof“ – der neuen O2 Arena in North Greenwich – eingetauscht. Hier sollten 20.000 Zuschauer das Konzert verfolgen können. Für mich macht aber auch die Nähe zur Bühne oftmals einen Großteil des Konzerterlebnisses aus, so dass wir uns schon vorher den Kopf zerbrachen, wie man diese am besten erreichen würde und wann man sich wohl anstellen müsste. Deshalb befanden wir uns gegen 16 Uhr (drei Stunden vor Showbeginn) in der Gastronomie besagter Arena auf der Suche nach einem letzten Kaffee als Frank (wir hatten uns beim Köln-Konzert kurz kennengelernt) per SMS verkündete, dass er gerade ein Pre-entry-Armband bekommen hätte. Also haben wir den Kaffee kalt werden lassen und sind zum Einlass gestürmt, um eines der letzten besagten Bänder zu ergattern. Wir waren nun in bester Gesellschaft: mitten unter DMB-Anhängern verschiedenster Nationalitäten, die auch in der Europe-2009-Fotodokumentation gerne mal auf fast jedem Konzert in der ersten Reihe abgelichtet worden waren und die an diesem Morgen teilweise auch schon um 9 Uhr Ihren Posten an der Absperrung bezogen hatten. Die Stimmung war wie zu erwarten klasse. Es wurde gemeinsam gesungen oder zumindest mitgesummt, Lastminute-Schilder auf Pizzakartons gemalt (die immerhin einen Stick von Carter einbrachten!) und gemeinsam dem Konzert entgegengefiebert. Zehn Minuten vor dem offiziellen Einlass durften wir dann als erste Gruppe „Auserwählter“ mit insgesamt etwa 20 Mann vorab in die riesige Halle hineinspazieren und Position vor der Bühne beziehen.

„Alberta Cross“ waren ja schon fast alte Bekannte, schienen aber Ihre Setlist zu den vorherigen Konzerten etwas abgewandelt zu haben. Ich mag Ihre Musik recht gerne, aber die doch spezielle Stimme des Sängers ist nicht ganz die meine. Dies ging wohl auch dem Großteil der restlichen Zuschauer in der mittlerweile gut gefüllten Halle so, denn hinter den ersten noch interessierten Reihen schienen die Bemühungen der Jungs keine rechten Abnehmer zu finden.

Nun brauchen DMB ganz bestimmt keine Einheizer, sondern übernahmen es nach einem einstimmenden „Still Water“ mit „Don‘t Drink the Water“ selbst, den begeisterten Fans einen gehörigen Einstieg zu bereiten, um dann mit „Lying in the Hands of God“ wieder etwas ruhiger zu werden. Den früheren Live-Versionen des sich anschließenden „Shake Me Like A Monkey“ fehlte meiner Meinung nach im Vergleich mit der Studio-Aufnahme immer die perfekte Abstimmung. Diese hat sich nun scheinbar eingespielt, denn der auf der CD treibende, mitreißende Titel überzeugte auch hier.

Was nun folgen sollte, hatte ich nicht zu hoffen gewagt: bei den vorherigen Konzerten dieser Tour hatte ich jeweils aus den ersten Reihen mein „Sugar Will“-Schild hochgehalten. Nun weiß man eigentlich, dass Dave (als Verfasser der Setlisten) nicht unbedingt für Vorschläge offen ist und während der Tour hielt sich die Abwechslung ja auch bekanntermaßen in Grenzen. Gleich in Hamburg aber hatte Dave das Schild für gut befunden und sogar signiert. Er und Tim erkannten es wohl auch immer wieder und so konnten wir in Köln von einem grinsenden Tim gespielte erste Riffs genießen. Als auch Dave dann in Amsterdam zwischen zwei Songs bis über beide Ohren grinsend mir quasi ein „gefühltes Ständchen“ gab, war ich eigentlich schon mehr als glücklich über die wenigen vertrauten und lang vermissten Töne. In London aber begannen nun Rashawn und Jeff eben diese Töne zu spielen und ein Blick auf den verschmitzt dreinblickenden (mir fällt kein besseres Wort für diesen Blick ein) Dave bestätigte das für mich unfassbare: SUGAR WILL! Mit weichen Knien habe ich mein Lieblingslied verfolgen dürfen. Der Text war erwartungsgemäß größtenteils gegenüber der 2004er oder 2008er Fassung neu geschrieben und auch der fehlenden Butch veränderte den Titel etwas. Aber Tims Beitrag dazu machte jedes Tasteninstrument auf eine andere Art und Weise mehr als wett.

An dieses, mein absolutes Highlight schloss sich nach einem immer wieder beeindruckenden „You Might Die Trying“ und einem mitreißendem „Funny The Way It Is“ eine sehenswerte Tanzeinlage Daves während eines funkigen „Seven“ an. Nach einem wunderbaren, gefühlvollem „Crush“ mit einer sich daraus entwickelnden minutenlangen Jameinlage, kamen auch die Klassiker „So Much to Say“ und „Ants Marching“ zu Ihrem Recht. Auf „Spaceman“ folgte ein in die Tanzbeine schießendes „Cornbread“ bevor das emotionale „You & Me“ (mit der tollen Drumeinlage Carters) und das (im wahrsten Sinne) explodierenden „Time Bomb“ den Weg für den vorerst letzte Titel „Stay (Wasting Time)“ bereiteten. Dieses ist für mich ein ultimatives Sommerlied und schafft einfach nur uneingeschränkt gute Laune. Nach einer kurzen, obligatorischen Wartezeit erschien Dave alleine mit seiner kleinen zwölfseitigen Gitarre und sang ein sehr persönliches „Baby Blue“. Das anschließende Gabriel-Cover „Sledgehammer“ der ganzen Band begeisterte die ausgelassene Menge, bevor der Jam-Klassiker „Jimi Thing“ das Ende des Konzertes einläutete.

Ich muss gestehen, dass ich mich nach „Sugar Will“ in einem derart glückseligen, euphorischen Zustand befand, dass ich das restliche Konzert nicht wirklich konsequent beurteilen kann. Ich kann aber so viel berichten, dass die Band unheimlich viel Spaß hatte, Carters Grinsen – mal wieder – für sich sprach, Boyd während energiegeladener Soli die vordere Bühnenkante erkundete und ein derart im positiven Sinne ausuferndes Solo-Zusammenspiel von Jeff und Tim Dave sogar dazu brachte, seine Gitarre auf den Boden zu legen und gehen zu wollen. Aber im Gegenteil: keiner der Musiker war überflüssig. Es ist immer wieder fantastisch zu sehen und zu hören, wie dieses, vor Spielfreude sprühende, hochklassige Ensemble von Herzblutmusikern sich oft neu erfindet, gegenseitig neckt, miteinander kombiniert und einfach eine gute Zeit zusammen hat… und diese glücklicherweise mit uns teilt!

Dieses Konzert war ein ganz besonderes für mich… – ein „Once in a lifetime“-Moment: es hatte einen sehr persönlichen Charakter durch „Sugar Will“ und den ständigen (Augen-)Kontakt mit Tim und Dave und nicht zuletzt auch durch den Stick von Carter, der zu meinem vorgezogenen besten Geburtstagsgeschenk wurde!

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