„Ich bin kein perfekter Poet“

März 28, 2010 in DMB in Europa, Interviews von silke-s

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Zwanzig Minuten können verdammt lang sein: wenn man auf den Bus wartet, in der Endlosschleife seines Telefonanbieters hängt oder im Zahnarztstuhl sitzt. Zwanzig Minuten können aber auch viel zu schnell vergehen, wenn man mit Dave Matthews auf dem Sofa sitzt und plaudert.

KÖLN, 28.02.2010

Jetzt stehen wir hier, meine Schwester Caroline und ich, an der hinteren Bar des Palladiums in Köln, und treten nervös von einem Fuß auf den anderen. Statt wie zunächst geplant, die ersten in der Schlange und somit die ersten an der Bühne zu sein, wenn das Dave Matthews Band Konzert losgeht. Anders als in Amsterdam im vorherigen Jahr konnten wir die Laufschuhe diesmal zu Hause lassen. Hier hinten an der Bar werden wir gleich abgeholt, von Kai, einem Mitarbeiter von Warner Music. Fünf spontane Fragen auf dem sogenannten „Edelprofil“ der DMB (bei der Online-Community StudiVZ) haben mir vor einigen Tagen den Gewinn eines „Meet & Greet“ beschert. Seither habe ich kaum geschlafen, den ganzen Tag hab ich nichts essen können.

Wir und der Proudest MonkeyBepackt mit drei Taschen Merchandising von und für andere Fans (und uns selbst), einem aufblasbaren Affen (Carolines „Proudest Monkey“) und Mitbringseln für die Bandmitglieder, folgen wir besagtem Kai in den Backstage-Bereich. Von der das Palladium-Parkett umlaufenden Galerie aus beobachten wir Dave, wie er die Vorgruppe „Alberta Cross“ ankündigt. Auf einmal ist es uns bewusst: wir werden die letzten sein, die vor dem Konzert mit Dave sprechen dürfen. Hektik bricht aus. Seth (eine Art „Personal Assistant“ der Band), Kai und ein wichtiger Mensch mit Knopf im Ohr winken uns in einen schmalen Gang, vor dem wir noch nicht einmal die Chance bekommen, die vorbeispazierenden Rashawn und Jeff zu begrüßen. „Ein Treffen mit Deiner Lieblingsband“ sollte dem „größten DMB-Fan Deutschlands“ laut StudiVZ winken, da würden die beiden doch mit hinzukommen – oder etwa nicht?

Während meine Schwester sich gemütlich mit dem Rücken an die Wand lehnt und ein paar Worte mit Kai wechselt, sehe ich aus dem Augenwinkel einen fröhlich lachenden Mann mit Wollweste um die Ecke biegen. Mit wippendem Gang steuert er, von Caroline noch unbemerkt, auf uns zu. „Da ist Dave!“ stoße ich sie an und schon steht er grinsend neben uns. „Hi! Let’s go inside…?“ Gemeinsam mit der Gefolgschaft betreten wir einen kleinen Raum mit genauso kleinen Sitzgelegenheiten: einem 2er-Sofa, zwei Stühlen, Dave und Silkeeinem kleinen Tisch voller Kram und einem Regal mit Sprudel. Meine Knie schlockern, „endlich setzen“ denke ich. Spontan platziere ich mich neben Dave auf dem kleinen Zweisitzer und hätte dabei fast die beiden Akustik-Gitarren übersehen, die darauf stehen. Schnell stellt er sie für mich zur Seite, noch bin ich selbst ein Nervenbündel. „Erst einmal begrüßen“ schlägt Caroline vor und tatsächlich: Händeschütteln und Küsschen hätte ich vor lauter Aufregung fast vergessen. Dave entschuldigt sich für seine Bartstoppeln.

Dave: „Entschuldigt, dass ich heute so piekse. Ihr seht alle so gut aus und ich bin nicht mal rasiert!“

Silke: „Dafür gibt es ja Photoshop!“

Dave: „Photoshop? Aha.“

Silke: „Ja, ich kann Dich mit Photoshop rasieren.“

Dave: „Du willst mich auf Photoshop rasieren? Das hört sich aber funky an…“

Dave lacht, von Berührungsängsten mit Fans keine Spur. Er fragt uns nach unseren Namen und erkundigt sich, was es mit dem Affen auf sich hat. „That’s my proudest monkey“ sagt meine Schwester. Er nimmt ihn und schaut ihn sich genau an (später wird er ihn noch signieren). „That’s very cool.“

Als wir ihm als Gewinner eines „Meet & Greet“ vorgestellt werden, erfährt Dave zum ersten Mal, dass wir 5 Fragen vorbereitet haben. Vorauswahl, Kontrolle der Fragen: Fehlanzeige! Das Sicherheitspersonal wird aus dem Raum entlassen, übrig bleiben nur Seth, Kai, Dave und zwei Mädels, von denen die Aufregung merklich abfällt. Also überreichen wir erstmal das Gastgeschenk: 7 Flaschen Wein der Marke „Kröver Nacktarsch“ (Traditionsmoselwein aus unserer Region) versetzen Dave in Staunen. Beim Anblick des Etiketts, auf dem ein Winzer seinem kleinen Sohn den nackten Hintern versohlt, fragt er verwundert: „Bedeutet das etwa, dass betrunkene Deutsche ihre Kinder schlagen dürfen? Freaky!“ „Nein, nein, nur wenn sie ungezogen waren und heimlich Wein aus dem Fass trinken“ erkläre ich. Das gefällt ihm und er überrascht uns mit einer Anekdote:

Naked Ass Wine„Naja, anfangs dachte ich schon, alle Deutschen wären etwas freaky!“ Wir wundern uns und er erklärt. „Vor Jahren hab ich zum ersten Mal wirklich die Gelegenheit gehabt, eine Deutsche kennenzulernen. Weiß gar nicht mehr, wann und wo genau das war. Sie hieß Nina… Hagen?“ Wir drei Deutschen lachen und wiegeln ab „Nina Hagen ist schon sehr speziell, so sind nicht alle Deutschen.“ Das Eis ist endgültig gebrochen, wir sind alle am lachen. „Ich fand sie nett!“ sagt Dave schnell. „Sie hat mir erklärt, dass Deutsche ‘langsam warm werden’…“ (er macht dabei eine 1A-Nina-Hagen-Schnute, versucht ihre rauchige Stimme zu imitieren) „aber dann werden sie richtig funky!“ Spätestens jetzt hätten wir Nina erkannt, auch wenn Dave sich selbst nicht mehr an den Namen seiner „ersten Deutschen“ erinnert hätte. An ihm ist ein Profi-Schauspieler verloren gegangen. „Lebt die noch?“ fragt er besorgt. „Warum soll sie nicht mehr leben?“ fragt Kai. „Naja, es sterben dauernd Leute, hätte ja sein können.“ Meine Schwester winkt schnell ab „Sie dated glaub ich Männer, die zwanzig Jahre jünger sind als sie selbst. Ich glaub der geht es gut.“

Dave: „Gut gut, dann bin ich beruhigt. Sollen wir mit den Fragen anfangen?“


Wenn ihr wissen wollt, was Dave über seine Familie, Obama und David Bowie gesagt hat – klickt hier!

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