Köln-Review oder Thank you! (28.2.2010)

März 8, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von silke-s

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KÖLN: Ein schönes und emotionsgeladenes Wiedersehen war es, als ich die ersten Töne von “Still Water” vernahm. Denn schon 2007 in Brüssel, meinem allerersten DMB-Konzert, begann das Konzert mit diesen leisen und vielversprechenden Tönen. Als dann “Don’t drink the water” mit einem großen Knall einsetzte, gab es kein Halten mehr.

Ich und 3 Freunde, die mit mir über 4 Stunden mit dem Zug nach Köln gefahren waren und gerade so an dem Orkan “Xynthia” vorbeigeschrammt sind, hatten unglaublich viel Glück; bei dem Unwetter überhaupt hier zu sein, und die beste Live-Band der Welt tatsächlich vor der Haustür in Europa genießen zu können.

Kaum Zeit zum Verschnaufen blieb, als die Band schon mit einem weiteren Klassiker nachlegte: “Satellite”. Wie in Extase erlebte man als Zuhörer die nächsten 3 Songs, die allesamt vom neuen Album “Big Whiskey and the Groogrux King” stammten, und die live gespielt wirklich mehr als überzeugen, ja schon fast zu anderen, besseren Liedern werden als die Studio-Aufnahmen. Nass geschwitzt vom Tanzen zu dem unglaublichen Ohrwurm “Shake me like a monkey”, fühlte man sich ein bisschen wie im Central Park, als ich die ersten Akkorde von “Where are you going” vernahm, die ich nämlich zuallererst von dem legendären Konzert mitten in New York kannte.

Jeffs großer Auftritt kam mit den beiden folgenden Liedern “You might die trying” und “Lying in the hands of god”, in denen er jeweils einen Großteil der Solos vereinnahmt, völlig zurecht. Unglaubliche 10 Minuten geht das von vielen Fans als einen der besten Songs vom neuen 2009 erschienen Album bezeichneten eigentlich getragenen Stückes, das sich zum Schluss hineinsteigert in Spielfreude und Jeffs Kreativität kennt keine Grenzen.

“I like this song, cause I can open my mouth so wide when I’m singing” kündigt Dave das Cover “Burning down the house” an, das sich ins Gedächtnis der Zuhörer hämmert und einfach nur Spaß macht. “I’m just an ordinary guy, burning down the house!” Die Höhepunkte reißen nicht ab, das ganze Konzert ist eigentlich ein einziger Höhepunkt. Es folgen “Jimi thing”, “Spaceman” und “Why I Am”, das immer in Erinnerung an den 2008 verstorbenen Leroi Moore angekündigt wird, das so fröhlich ist und dann auch wie aus Trotz alle mitsingen lässt. Wir lassen uns nicht unterkriegen. Inzwischen wundere ich mich doch etwas darüber, wie ruhig das deutsche Publikum bei solchen Liedern bleiben kann, zumal mehr als genug Zeit zum “aufwärmen” war. Aber gut, jeder geht auf seine Weise mit den Liedern mit. Ich kann eben nicht ruhig stehen bleiben, wenn nach “Crash into me”, das mich immer etwas in Erinnerungen an vergangene Beziehungen schwelgen lässt, “So much to say” beginnt, das übergeht in “Anyone seen the bridge” (die “Freeze”-Version übrigens), dann zum “Too much fake” und dann zu “Ants marching”. Wer da noch ruhig steht, ist meiner Meinung nach tot. :)

“You & Me” (das frische Fans zuweilen auch gerne Mal zu “Me & You” machen), momentan eines meiner Lieblingslieder, hilft dann, vor allem mit seinem wunderschönen Riff am Schluss, wieder runterzukommen.

Als Stefan sein dunkles Solo beginnt, kann ich es kaum fassen. Ich kann mich dann doch entscheiden, einen absoluten Höhepunkt des Konzertes auszumachen. Den „Watchtower“ habe ich mir gewünscht, aber weder in Brüssel 2007 noch in Paris 2009 wurde er gespielt, und jetzt, endlich, ist der Moment da. Ein erhebendes Gefühl, diesen Song einmal live erleben zu dürfen. Zwar etwas kürzer als frühere Versionen, überzeugt wirklich alles an diesem Arrangement. Die Band geht von der Bühne, die Menge tobt und will mehr.

Als Dave alleine wieder auf die Bühne kommt, kann man schon ahnen, dass nun ein ruhiges Stück folgt. Die kleine rote Gitarre, die Dave so gerne spielt, “weil sie ihn größer aussehen lässt”, erzeugt tatsächlich ein seltsam berührendes Bild. Wie da dieser Riese steht, und knapp 4000 Menschen absolut still sind, während er dieses kleine Lied spielt, um jedes Wort, das er singt, in sich aufzusaugen. Es treibt mir Tränen in die Augen, so schön war ein Konzert-Abend schon lange nicht mehr.

“Sledgehammer” schleudert einen wieder zurück in die Party, so schnell wie man kaum sehen kann. Ich hätte nicht gedacht, dass wir nach “Burning down the house” noch ein hochkarätiges Cover zu hören bekommen, die eigentlich eher den amerikanischen Fans vorbehalten sind. Als letztes Lied stimmt Dave schließlich “So damn lucky” an, einen Song, der eigentlich auf seinem 2005 erschienen Solo-Album enthalten ist, und der sich, seit er mit der kompletten Band gespielt wird, zu einem unglaublichen Hammer entwickelt hat. Die Musiker auf der Bühne, so hat man das Gefühl, wollen gar nicht mehr aufhören. Die Töne, die eigentlich den Schluss des Liedes einläuten sollten, führen weg von dem Ursprungslied und hinein in “Thank you”, dann weiter in Beethovens 9., die “Ode to joy”. Dave bedankt sich so oft, dass man es gar nicht mehr zählen kann. das Publikum ist begeistert und hält ununterbrochen Blätter mit der Aufschrift „Thank you!“ in die Lüfte, die vor dem Konzert von einem eifrigen Proudest Monkey verteilt wurden. „Denn die Band soll merken, dass wir sie wiedersehen wollen.“ Nach knapp 16 Minuten “So damn lucky” und mehr als 2 1/2 Stunden purer Spielfreude endet das Konzert, und ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit und Erschöpfung setzt langsam aber sicher ein. Was für ein Konzert.

Autor: Alexander Benpreiksch

Bilder-Galerie vom Konzert in Köln auf Flickr

Setlist Köln:
(Still Water)
Don’t Drink the Water
Satellite
Funny The Way It Is
Seven
Shake Me Like a Monkey
Where Are You Going
You Might Die Trying
Lying In the Hands of God
Burning Down The House
Sugar Will (tease)
Jimi Thing
Spaceman
Why I Am
Crash (Into Me)
So Much To Say
Anyone Seen The Bridge
Too Much (Fake)
Ants Marching
You and Me
All Along The Watchtower

Baby Blue
Sledgehammer
So Damn Lucky

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