Die Dave Matthews Band live in Köln und Frankfurt

März 8, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von silke-s

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What is a band without saxophone — Ooh ooh saxophone is grand!
(Phish, “Simple”)


Die Dave Matthews Band live in Köln und Frankfurt

Der Film “Year Of The Horse” von Jim Jarmush über Neil Young beginnt mit einer Szene vor der Frankfurter Festhalle – nach dem Konzert am 14. Juli 1996. Ich bin leider nicht darauf zu sehen – aber ich war da. An diesem Abend habe ich nicht nur Neil Young erlebt, sonders auch zum ersten Mal die Dave Matthews Band, die mir völlig unbekannt war und als Support auftrat.

DMB haben mir gefallen, aber zum Fan bin ich erst später geworden und es hat beinahe vierzehn Jahre gedauert, bis ich die Band wieder live sehen sollte.

Köln, Februar 28th ,2010

Um nach Köln zu kommen, musste ich erst einmal durch das Orkantief “Xynthia” fahren, was alles andere als ein Vergnügen war. Im Palladium war ich zum ersten Mal – eine alte Fabrikhalle – natürlich nicht als Konzerthalle geplant, aber ich habe schon schlechtere Locations erlebt. Der Sound war jedenfalls sehr ordentlich und auch die Organisation klappte.

Nach ein paar Takten „Still Water“ ging das Konzert mit Don’t Drink the Water los – für mich der klassische Opener – „Europe 2009“, „Live at Mile High Music Festival“, „The Central Park Concert“ beginnen alle mit diesem Song – keine Überraschung, aber ein solider Beginn. Weiter ging es mit einem meiner persönlichen Lieblingssongs, „Satellite“, das schon auf dem (Live)-Debüt „Remember Two Things“ von 1993 und auch auf dem allerersten Studioalbum der Band von 1994 erschien. Dann kam ein erster „GrooGrux King“-Block – „Funny The Way It Is“, „Seven“ und „Shake Me Like A Monkey“: Ich höre das aktuelle Studioalbum von DMB sehr gerne und live haben alle Songs noch mehr Drive – abgesehen davon unterscheiden sich die Versionen ja oft erheblich. Nach „Where Are You Going“ folgte „You Might Die Trying“, ein Song, den ich live großartig finde, insbesondere aufgrund der exzellenten Beiträge von Rashawn Ross an der Trompete und Jeff Coffin am Saxophon. Auch im folgenden „Lying In The Hands Of God“ hatte Jeff Coffin ausreichend Möglichkeiten, seine Qualitäten zu beweisen. LeRoi Moore wird unvergessen bleiben, aber Coffin ist ein würdiger Nachfolger geworden.

Es folgte die erste von drei Coverversionen des Abends: „Burning Down The House“ von der Talking Heads. DMB halten sich sehr eng an das Original. Danach kam wieder ein Klassiker – „Jimi Thing“, einer der meistgespielten Songs der Bandgeschichte. Nach „Spaceman“ und „Why I Am“, das dem verstorbenen LeRoi Moore gewidmet wurde, kam – von vielen Fans, die um micht herum standen offensichtlich herbeigesehnt „Crash Into Me“. Für mich kam danach der Höhepunkt des Konzerts – die Sequenz „So Much To Say > Anyone Seen the Bridge > Too Much (Tease) > Ants Marching“ – das reine Vergnügen, wie die Band sich durch die Songs jamt. Der reguläre Konzertteil endete mit „You And Me“ und „All Along The Watchtower“.

Zur ersten Zugabe kam Dave Matthews allein auf die Bühne („Mit kleiner Gitarre, damit ich größer aussehe“) und spielte „Baby Blue“, das mir in dieser Version besser gefällt als das Original. Dann gab es noch eine dritte Coverversion – „Sledgehammer“; das Stück klingt ähnlich wie bei Gabriel – Matthews kann es auch stimmlich (fast) mit dem Meister aufnehmen. „So Damn Lucky“ beendete das Konzert – in einer sehr langen Version. Dieser Song wächst bei mir mit jedem Hören. Ein würdiges Ende nach 160 Minuten.

Fazit: Eine echte Überraschung gab es an diesem Abend für mich nicht, aber eine gut aufgelegte Band und eine gute Performance. Es war ein sehr gutes Konzert.

Frankfurt, März 4th ,2010

Das Konzert in Köln war zweifellos sehr gut; das Konzert in Frankfurt war herausragend – einer dieser magischen Auftritte, auf die man immer hofft und für die man alle die Strapazen auf sich nimmt, denn ein Konzert ist ja auch anstrengend – die Anfahrt, das lange Anstehen in der Kälte, das ewige Warten auf den Hauptakt. Frankfurt war magisch und brachte alle die Überraschung, auf die ich in Köln schon gewartet hatte.

Ich hatte eine Sitzplatzkarte, war aber staufrei mit dem Auto nach Frankfurt gekommen und schon gegen viertel nach fünf an der Jahrhunderthalle, die ich aufgrund der guten Akustik und Sichtverhältnisse seit Jahren sehr schätze. Daher habe ich mich entschlossen, mich nach vorne zu stellen und war während des Konzertes ca. 5 Meter vor der Bühne – mit guter Sicht auf Dave Matthews, Stefan Lessard und Carter Beauford, den wahrscheinlich derzeit nicht nur der besten, sondern mit Sicherheit auch der bestgelaunten Drummer im Rockbusiness.

Der Opener war in Frankfurt „Granny“ – das DMBAlmanac bezeichnet ihn als den vielleicht beliebtesten, regelmässig gespielten Song der Band. Es ist auch einer der ältesten Songs und er ist nie auf einem Studioalbum erschienen. Das war ein Einstieg nach Maß und es ging direkt weiter mit „Bartender“, dem längsten Studiotrack der Band – ursprünglich im Rahmen der „Lillywhite Sessions“ eingespielt – einem Album, das nur als Bootleg erschien und mich vielleicht ihr bestes ist: „The Lillywhite Sessions“. Die Version in Frankfurt – mit langem Flötensolo von Jeff Coffin war großartig. Nach „Funny The Way/Seven/Shake Me“, die an gleicher Position auch in Köln gespielt worden waren, folgte die nächste Überraschung, das düstere „The Stone“ – ein Song, der auch in den letzten Jahren nur selten gespielt wurde – bereits die zweite Tourpremiere nach dem Opener. Nach „Why I Am“ kam „Loving Wings“ – großartig, wie sich dieser ruhige Folksong nach einem Trompetensolo von Rashawn Ross in einen Jazzjam entwickelt. Die Songs „You Might Die Trying“ und „Spaceman“ wurden auch in Köln gespielt; es folgte „Corn Bread“, ein Song, den ich sehr mag. „Lying In The Hands Of God“ bot erneut ein wunderschönes Saxophonsolo. Nach „You And Me“ folgte „Ants Marching“ – der einzige Song, den ich auf allen meinen drei Konzerten gehört habe, überhaupt der meistgespielte Song der Bandgeschichte – 1034mal sagt die Fanseite, die genau nach diesem Song benannt wurde – und gerade hier fiel wieder besonders auf, wie viel Spaß die Musiker auf der Bühne haben. Es war das vierte Konzert innerhalb von fünf Tagen, aber das merkte man wirklich keinem an. Hut ab kann ich nur sagen. „Time Bomb“ kam folgte – ein Song von „GrooGrux King“, aber dieses Jahr wurde er zum allerersten Mal gespielt. „So Damn Lucky“ beendete das reguläre Set – wieder in einer überlangen, weit über zehnminütigen Jamversion mit Snippets von „Thank You“ und „Freude schöner Götterfunken“.

Die Zugabe brachte „Sister“ – den vierten unveröffentlichten Song des Abends und am Ende gab es nocheinmal den „Watchtower“, bevor nach 150 Minuten der Vorhang fiel.

Zurück bleibt die Gewissheit für mich, eine der besten Livebands dieses Planeten erlebt zu haben. Dave Matthews bedankte sich – es war das letzte Konzert in Deutschland – und er hat versprochen wiederzukommen. Ich nehme ihn beim Wort. Natürlich hätte ich gerne auch noch „The Dreaming Tree“ gehört oder „Two Step“ und „#41“ wie 1996, aber so ist das mit wechselnden Setlisten – „You never know what you get“ – mir ist es so lieber, als jeden Abend die gleiche Routine.

Autor: Archangel, 07.03.10

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