Frankfurt-Review oder Beachball spielen! (04.03.2010)

März 8, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von silke-s

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FRANKFURT a.M.: Das Konzert begann mit einer großen Überraschung. Eigentlich sogar mit zwei. Denn schon bevor wir uns auf den Weg machten, mit dem Auto zur Jahrhunderthalle zu fahren, wurde schon eifrig herumtelefoniert. Silke, die eigentlich gar nicht vorhatte, nach Frankfurt zu kommen, hatte von einem Freund aus der DMB-Community das Angebot bekommen, kostenlos eine Karte abzustauben. Jetzt musste sie nur noch schauen, wie sie hinkommt. Da sie in meiner Nähe wohnt, habe ich morgens um halb 9 verschlafen auf mein Handy geschaut, als ich eine SMS bekomme. “Fahrt ihr heute nach Frankfurt? Ich suche eine Mitfahrgelegenheit.” “Klar, kein Problem”, schreibe ich, die Augen noch halb geschlossen, zurück. Und ehe wir uns versehen, sind wir zu dritt (Ich, ein Freund von mir, und Silke) auf dem Weg nach Frankfurt.

Die Fahrt verläuft ohne Probleme, und die Jahrhunderthalle ist gut zu finden. Wir gehören zu den ersten, die sich vor dem Halleneingang versammeln. Es ist noch viel Zeit, man plaudert, kommt ins Gespräch. Die DMB-Fangemeinde freut sich, nicht nur Avatare zu sehen, sondern endlich einmal die wahren Gesichter hinter den Forums-Mitgliedern, und sie persönlich zu begrüßen. Der Einlass rückt näher, man positioniert sich nahe am Eingang. Als die Schranken aufgehen, steigt das Adrenalin auf.

Es geht los. Checkliste: Garderobe, Poster kaufen, was trinken. Und ab vor die Bühne. Die Vorband, mittlerweile schon zu dritten Mal gesehen, überzeugt wie ich finde irgendwann nicht mehr. Die Setlist bleibt allzu gleich, man kennt die Lieder alle schon. Aber warum muss man auch auf so viele DMB-Konzerte hintereinander fahren?;) Quasi selbst Schuld, aber das kann man gerade so verkraften. Denn als die Lichter ausgehen und die Dave Matthews Band die Bühne betritt, ist die ganze Halle aus dem Häuschen.

Die zweite große Überraschung des Abends sind die Akkorde, mit denen das Set eröffnet wird: “Granny”. Ein auch in den USA eher seltener Song, zumal als Opener, um den viele Amerikaner uns noch beneiden werden. Dann “Bartender”, unglaublich, sehr schön dass sie nicht noch einmal “Don’t drink the water” gespielt haben, wie in Köln. Jeffs Tin-Whistle-Solo am Schluss ist hinreissend, und die “If I had a brain”-Interpolation von Jeff und Rashawn treibt mir ein Grinsen ins Gesicht.

Ein einzelner Beachball fliegt im Publikum durch die Lüfte; der sonst sehr konzentriert dreinschauende Tim Reynolds lächelt, als er sie entdeckt. “Funny the way it is” startet nun einen 3er-Groogrux-Pack, gefolgt von “Seven” und “Shake me like a monkey”, die wie immer zum Tanz einladen. Die Beachballs vermehren sich auf wundersame Weise, nun schon ca. 10 an der Zahl, und auch die Band erfreut sich an den Wasserbällen, die wie aus dem Nichts aufgetaucht sind, und über die Köpfe des Publikums in unvorhersehbare Richtungen fliegen. (Video 1 und Video 2 auf YouTube)

Und danach? Ich kann meinen Ohren kaum trauen, als ich die ersten Töne von Daves Gitarre vernehme. Sie spielen tatsächlich “The Stone”, ein Lied das ich selbst gerne – mit meinen eher bescheidenen Künsten – auf der Gitarre nachspiele. Sehr intensiv, es packt und lässt einen nicht mehr los. Auch hier beweist Jeff wieder sein phänomenales Können, zitiert zum Schluss Elvis mit “Can’t help falling in love” – wunderschön. Das Lied ist schon fast vorbei, da wird es immer leiser. Nur das Publikum klatscht noch, und plötzlich – das große Finale. Der Hammer!

“Why I Am” folgt, dann ein “tiny little song”, den ich mir niemals geträumt hätte, jemals live zu hören — “Loving wings”. Ebenfalls auch in den USA eher selten gespielt, beginnt er sehr leise und steigert sich zum Schluss in ein unglaublich treibendes Stück, in dem Rashawn und anschließend Jeff mit Hilfe Carters rhythmischer Untermalung all seinen Ideen freien Lauf lassen kann.

“You might die trying”, wie immer absolut genial, obwohl von dem 2005er-Album “Stand up”, das von vielen Fans als eher durchschnittlich bewertet wird. Nach “Spaceman” folgt “Cornbread”, der Party-Song schlechthin, Tim zeigt sein Können, Jeff und Rashawn probieren ihre immer wieder neuen Ideen aus, die Band hat ihren Spaß. Auf “Lying in the hands of god” und “You & Me” folgt “Ants marching”, und da es häufig zum Schluss gespielt wird, habe ich schon Angst, sie wollen das Konzert schon beenden. Aber wie konnte ich bloß zweifeln.;)

Ein echter Kracher, “Time Bomb”, folgt, Dave holt alles aus seiner Stimme heraus. “So damn lucky” als vorläufiger Closer, unfassbar lang und wieder – wie in Köln – mit Einschüben von “Thank you” und “Ode to joy” von Beethoven, eine sehr schöne Idee, die sich vielleicht auch in den Staaten durchsetzen wird?:) Die Band verlässt die Bühne, die Menge flippt aus. Fußgetrappel, Klatschen, Rufe, Schreie, es kann noch nicht vorbei sein.

Dave betritt zusammen mit Tim wieder die Bühne und das Publikum ist gespannt. “Sister” beginnt, eine wundervolle Hommage von Dave an seine Schwester – “I feel you beatin’ in my chest, I’d be dead without”. Rashawn übernimmt von Zeit zu Zeit den Background-Gesang, und auch Carter schleicht sich wieder auf die Bühne und spielt am Schluss des Stücks leise mit. Aufbrandender Applaus, und schon geht es weiter zum nächsten, nun tatsächlich letzten Stück des Abends: der “Watchtower”. Unglaublich, ich werde ihn zweimal hören (in Köln war es das erste Mal).:)

Mit einem “No reason to get excited!” beendet Dave dieses grandiose Cover, das alle Zuhörer noch eine Zeit lang glücklich und kaum realisierend, dass das Konzert nun ein Ende gefunden hat, stehen lässt. Zum Schluss versammeln sich einige Fans vor der Halle und schießen ein Gruppenfoto. Es erinnert schon fast an die Fotos, die man bei “Antsmarching.org” auf der Startseite immer neidisch begutachtet hat, als die Band noch in weiter Ferne in den Staaten tourte. Sie bahnt sich ihren Weg in die Herzen der Europäer. Langsam aber sicher.

Autor: Alexander Benpreiksch

Setlist Frankfurt:
Granny
Bartender
Funny The Way It Is
Seven
Shake Me Like a Monkey
The Stone
Why I Am
Loving Wings
You Might Die Trying
Spaceman
Corn Bread
Lying In the Hands of God
You and Me
Ants Marching
Time Bomb
So Damn Lucky

Sister
All Along The Watchtower

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