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von ggdm41

Der Fisch mit dem großen Auge kehrt zurück

März 16, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von ggdm41

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English version on: weeklydavespeak.com
(Feel free to comment here in english down below).
Voici la version française

The Birmingham Big Eyed Fish
BIRMINGHAM. Wenn man den größten DMB-Fan Europas suchen würde – der Engländer Andy Clark würde auf jeden Fall in die engere Auswahl kommen. Der große Kerl aus Birmingham besucht nicht nur jedes Konzert, das irgendwie in seinen Plan passt – er versucht auch immer, der erste vor Ort zu sein und, mit Hilfe seiner Tochter Lauren, brachte er den „Big Eyed Fish“ nach dreieinhalbjähriger Pause wieder auf die Bühne.

Das Ganze begann am Abend vor dem Birmingham-Konzert, also am 11. März, bei seiner Freundin am Esstisch: „Meine 14-jährige Tochter Lauren wollte, dass ich ihr ein Schild für das Konzert mache. Spontan dachte ich an einen riesigen Goldfisch mit einem großen Auge…“ Auch Freundin Nicola brachte sich ein mit ihrer siebenjährigen Tochter Georgia, die beim Ausmalen half.

Erste Anerkennung bekam das „Birmingham Request Sign“ schon kurz nachdem der Automechaniker ein Foto davon auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte: „Ich habe es mit 50 Leuten verlinkt, und in innerhalb einer Stunde hatten schon an die 100 Leute mit viel Beifall darauf reagiert.“

Nach Rom, London und Manchester sollte das Gastspiel seiner Lieblingsband in seinem Wohnort der krönende Abschluss der persönlichen Konzert-Serie des 45-Jährigen sein.



Weil er immer so früh da ist, sichert sich Andy auch immer den Platz in der ersten Reihe. „Außer in Rom, da waren die Con-Fusion-Mitglieder (der italienische Fan-Club) vor mir. Aber das Mädchen vor mir war ziemlich klein“, ergänzt er mit einem Lächeln.

In Birmingham war Andy sogar so früh da, dass er mithalf, die Buchstaben auf dem Hinweisschild an der Halle auszutauschen. Dann tauschte er sich mit den DMB-Crew-Mitgliedern aus, und als dann irgendwann Fan Nummer zwei auftauchte – „ging ich erst mal frühstücken.“ Kurze Zeit später kamen die üblichen Verdächtigen: „Ich schätze, dass ich mindestens 15 der ersten 20 schon kannte.“ DMB-Süchtige unter sich….

Andy Clark hält den BEF hoch.

Andy Clark hält den BEF hoch.

„Wir haben dann ein paar Bilder gemacht, wie ich den Fisch hoch halte, bevor ich ihn für die Show sicher verstaut habe“, erinnert er sich. Und dann wurden noch mehr Bilder gemacht, ein paar Bier gekippt, alte Bekanntschaften gepflegt und neue geknüpft. „Der Höhepunkt vor dem Konzert war, als ich Dave auf dem Weg zur Halle traf. Er unterschrieb mein Manchester-Tour-Plakat und ließ sich mit mir fotografieren.

Ein europäischer DMB-Fan zu sein, hat seine Vorteile (es gab allerdings auch eine lange Dürreperiode!). In die O2-Academy in Birmingham passen nur 2700 Besucher, und war nach Andys Schätzung noch nicht mal ausverkauft: „Ich war wieder in der Mitte vorne – eigentlich war Lauren in der Mitte und ich rechts neben ihr. Als die Band auf die Bühne kam, hielt ich mein legendäres ‘Carter-Rocks’-Schild hoch – wie immer verkehrt herum. Normal fordert mich Carter immer auf, es umzudrehen, aber dieses Mal war es Dave.“ Die Halle war so eng, dass der Birminghamer näher an Dave stand als die restlichen Bandmitglieder.

Andy, Kyri und Upeka warten auf DMB.

Andy, Kyri und Upeka warten auf DMB.

Nach dem zweiten Lied (“Satellite”) bat Andy seine Tochter, das Schild rauszuholen. Lauren streckte es hoch und Dave schaute drauf und lächelte… und nickte. „Er spielte es drei Mal während des Sets mit ein paar Akkorden und ein paar Textzeilen an, und jedes Mal reagierte die Menge mit viel Begeisterung.“ – Es war ein spezieller Moment und Andy war sich sicher, dass der große Moment noch kommen würde. „Als Dave den Song das zweite Mal anspielte, murmelte Dave etwas wie: „Der ist da irgendwo in der hintersten Ecke meines Gehirns versteckt – aber er ist irgendwo da…“

Als Dave für die Zugabe wieder auf die Bühne kam, glaubte Andy schon, dass der Fisch verloren sei und vermutete statt dessen „Baby Blue“, mit dem es meist in die Zugabe geht… Jedoch – WOW! Dave spielte noch mal solo ein paar Verse des „Big Eyed Fish“. Die Menge flippte zunächst aus, stimmte dann aber andächtig ein. „Das war meisterhaft. Auch Tage danach bekomme ich noch Gehänsehaut, wenn ich daran denke“, kann der Held des Abends seine Emotionen immer noch nicht kontrollieren. Lauren rief in der der Mitte des Songs ein lautes „Thank You“ zu Dave. Und nach dem Song antwortete Dave: „Das war für die bezaubernde Dame und ihr tolles Schild hier vorne!“.

Lauren und Dave.

Lauren und Dave.

Nach der Show ließ sich Lauren mit Dave und dem „Fish“ noch mal ablichten, und sogar der Band-Fotograf machte noch eine Menge Aufnahmen von dem Auflauf und insbesondere von dem Schild. Obwohl der „Big Eyed Fish“ erst zwei Tage später in Kopenhagen als Opener in seiner vollen Pracht von der kompletten Band gespielt wurde, wurde er in Birmingham wiedergeboren dank eines kleinen (großen) Schildes, einer 14-Jährigen und ihres Vaters.

Vor ‘Seven’ kam, glaube ich, der längste Tease, wo er etwas aus dem Monkey-Verse sang mit einem lustigen Dave-typischen Ende – das brachte die Menge richtig zum Kochen und von überall her hörte ich erfreutes Lachen“, erinnert sich der langjährige Dave-Fan Kyri Karaiskakis. Der Londoner ist schon seit etwa 14 Jahren DMB-infiziert und besuchte sein insgesamt fünftes Konzert, sein zweites in diesem Jahr nach London; er freut sich aber schon auf Alpine im Sommer, wohin ihn Co-Fan Upeka begleiten wird. Er hatte seinen Anteil an BEF, in dem er das Ganze mit seiner Kamera festhielt: „Seine Solo-Version schlug ein wie eine Bombe. Es waren nur zwei Verse, aber es fühlte sich an wie ein ganzer Song, und es war überwältigend zu hören, wie der ganze Saal einstimmte.“

We did it!

We did it!

Dem DMB-almanac.com zufolge wurde BEF das letzte Mal im September 2006 in Denver gespielt. Es war der zweite Song während der Europa-Tournee, der es auf Drängen der Fans wieder in die Setlists geschafft hat. Kurz zuvor hatte die Deutsche Rena Purnhagen „ihren“ Abend in der Londoner O2-Arena, als DMB ihr Bitten erhörte und “Sugar Will” das erste Mal seit 132 Konzerten wieder spielten. Rena zeigte ihr Schild in allen Shows, die sie zuvor besuchte (Hamburg, Berlin, Köln und Amsterdam), und sie wurde vor London bereits zwei Mal belohnt, als Dave den Song in Köln und Amsterdam kurz anspielte.

Der „Birmingham Big Eyed Fish“ war übrigens nicht das erste Mal, dass Andy Clark in der DMB-Community für Schlagzeilen gesorgt hat: Auf der DVD Europe 2009 spricht er als Fan die einleitenden Worte zur Brixton-DVD.
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von ggdm41

Termin: zweistündiges DMB-Special

März 15, 2010 in DMB in Europa von ggdm41

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Dave Matthews Band Fans sollten sich diesen Termin fett im Kalender anstreichen:

Dave und Tim (c) F. Helleken Donnerstag, 18. März 2010
20:30 Uhr – 22:30 Uhr


Das belgische Universitäts-Radio “RUN” präsentiert gemeinsam mit dem Europäischen Fan-Forum proudestmonkeys.org ein Special rund um die beste Band der Welt. Dank des Einsatzes unserer Forenpartner könnt ihr mit einem echten Highlight rechnen, denn hier wird es eine ganz besondere Show geben:
von DMB-Fans für DMB-Fans!

Dabei wird sowohl an Einsteiger gedacht, die die Band kaum oder noch gar nicht kennen, als auch an uns eingefleischte Insider, denen ein solches Programm selten zu Ohren kommt. Eine tolle Gelegenheit also, DMB Euren noch nicht infizierten Freunden und Bekannten näher zu bringen.

Das erwartet Euch:

Teil 1 – Classic DMB
  • Chronologische Bandbiografie mit den wichtigsten Infos
  • proudestmonkeys.org-Präsentation: Das “Wer und Warum” und die Zukunftsplanung
  • Eine Mainstream-Musikauswahl für die Hörer, die DMB noch nicht kennen, jedoch mit kleinen Überaschungen, die hier noch nicht verraten werden.

Teil 2 – DMB for lovers
Langjährige “Dave-Heads” dürfen sich auf Hintergrundinfos und tiefe Einblicke ins DMB und Dave & Tim – Archiv freuen. Ein seltenes Geschenk für echte Fans.


So seid ihr LIVE dabei:
Merkt Euch jetzt schon die “Run Radio”-Website www.run.be vor. Im Hauptfenster oben findet ihr den unscheinbaren dunkelgrünen Link “Ecoute-nous et regarde-nous” (Hört und seht uns), der Euch direkt die Live-Übertragung des Radio-Programms auf den Bildschirm ruft. Versammelt Eure Freunde und dreht die Boxen auf:

It’s DMB time!

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von silke-s

„Sugar Will“ oder Rena in London

März 12, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von silke-s

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Konzertreview zu DMB in London, 06. März 2010

Autor: Rena

Wer von uns hat die besondere Einzigartigkeit jedes DMB-Konzertes anderen gegenüber nicht auch schon mal zu erklären versucht: „Wie? Du fliegst für ein Konzert, für einen Abend nach London? Und Du hast in den zwei Wochen davor schon vier Konzerte derselben Band besucht?!“ Ja, habe ich: London sollte nach Hamburg, Berlin, Köln und Amsterdam den krönenden Abschluss bilden.

Während DMB im letzten Jahr mit den zwei Konzerten in der Brixton-Academy die Europatour gestartet haben – Ich hatte mich danach geärgert, nur für die erste Nacht Tickets bestellt zu haben, denn die tolle Atmosphäre in der im Art-Deko-Stil gehaltenen Academy hat einen wunderbaren Rahmen für die ersten Liveperformances von „Big Whiskey“ abgegeben –, hatte man nun diese intim anmutenden Location gegen die „World of entertainment under one roof“ – der neuen O2 Arena in North Greenwich – eingetauscht. Hier sollten 20.000 Zuschauer das Konzert verfolgen können. Für mich macht aber auch die Nähe zur Bühne oftmals einen Großteil des Konzerterlebnisses aus, so dass wir uns schon vorher den Kopf zerbrachen, wie man diese am besten erreichen würde und wann man sich wohl anstellen müsste. Deshalb befanden wir uns gegen 16 Uhr (drei Stunden vor Showbeginn) in der Gastronomie besagter Arena auf der Suche nach einem letzten Kaffee als Frank (wir hatten uns beim Köln-Konzert kurz kennengelernt) per SMS verkündete, dass er gerade ein Pre-entry-Armband bekommen hätte. Also haben wir den Kaffee kalt werden lassen und sind zum Einlass gestürmt, um eines der letzten besagten Bänder zu ergattern. Wir waren nun in bester Gesellschaft: mitten unter DMB-Anhängern verschiedenster Nationalitäten, die auch in der Europe-2009-Fotodokumentation gerne mal auf fast jedem Konzert in der ersten Reihe abgelichtet worden waren und die an diesem Morgen teilweise auch schon um 9 Uhr Ihren Posten an der Absperrung bezogen hatten. Die Stimmung war wie zu erwarten klasse. Es wurde gemeinsam gesungen oder zumindest mitgesummt, Lastminute-Schilder auf Pizzakartons gemalt (die immerhin einen Stick von Carter einbrachten!) und gemeinsam dem Konzert entgegengefiebert. Zehn Minuten vor dem offiziellen Einlass durften wir dann als erste Gruppe „Auserwählter“ mit insgesamt etwa 20 Mann vorab in die riesige Halle hineinspazieren und Position vor der Bühne beziehen.

„Alberta Cross“ waren ja schon fast alte Bekannte, schienen aber Ihre Setlist zu den vorherigen Konzerten etwas abgewandelt zu haben. Ich mag Ihre Musik recht gerne, aber die doch spezielle Stimme des Sängers ist nicht ganz die meine. Dies ging wohl auch dem Großteil der restlichen Zuschauer in der mittlerweile gut gefüllten Halle so, denn hinter den ersten noch interessierten Reihen schienen die Bemühungen der Jungs keine rechten Abnehmer zu finden.

Nun brauchen DMB ganz bestimmt keine Einheizer, sondern übernahmen es nach einem einstimmenden „Still Water“ mit „Don‘t Drink the Water“ selbst, den begeisterten Fans einen gehörigen Einstieg zu bereiten, um dann mit „Lying in the Hands of God“ wieder etwas ruhiger zu werden. Den früheren Live-Versionen des sich anschließenden „Shake Me Like A Monkey“ fehlte meiner Meinung nach im Vergleich mit der Studio-Aufnahme immer die perfekte Abstimmung. Diese hat sich nun scheinbar eingespielt, denn der auf der CD treibende, mitreißende Titel überzeugte auch hier.

Was nun folgen sollte, hatte ich nicht zu hoffen gewagt: bei den vorherigen Konzerten dieser Tour hatte ich jeweils aus den ersten Reihen mein „Sugar Will“-Schild hochgehalten. Nun weiß man eigentlich, dass Dave (als Verfasser der Setlisten) nicht unbedingt für Vorschläge offen ist und während der Tour hielt sich die Abwechslung ja auch bekanntermaßen in Grenzen. Gleich in Hamburg aber hatte Dave das Schild für gut befunden und sogar signiert. Er und Tim erkannten es wohl auch immer wieder und so konnten wir in Köln von einem grinsenden Tim gespielte erste Riffs genießen. Als auch Dave dann in Amsterdam zwischen zwei Songs bis über beide Ohren grinsend mir quasi ein „gefühltes Ständchen“ gab, war ich eigentlich schon mehr als glücklich über die wenigen vertrauten und lang vermissten Töne. In London aber begannen nun Rashawn und Jeff eben diese Töne zu spielen und ein Blick auf den verschmitzt dreinblickenden (mir fällt kein besseres Wort für diesen Blick ein) Dave bestätigte das für mich unfassbare: SUGAR WILL! Mit weichen Knien habe ich mein Lieblingslied verfolgen dürfen. Der Text war erwartungsgemäß größtenteils gegenüber der 2004er oder 2008er Fassung neu geschrieben und auch der fehlenden Butch veränderte den Titel etwas. Aber Tims Beitrag dazu machte jedes Tasteninstrument auf eine andere Art und Weise mehr als wett.

An dieses, mein absolutes Highlight schloss sich nach einem immer wieder beeindruckenden „You Might Die Trying“ und einem mitreißendem „Funny The Way It Is“ eine sehenswerte Tanzeinlage Daves während eines funkigen „Seven“ an. Nach einem wunderbaren, gefühlvollem „Crush“ mit einer sich daraus entwickelnden minutenlangen Jameinlage, kamen auch die Klassiker „So Much to Say“ und „Ants Marching“ zu Ihrem Recht. Auf „Spaceman“ folgte ein in die Tanzbeine schießendes „Cornbread“ bevor das emotionale „You & Me“ (mit der tollen Drumeinlage Carters) und das (im wahrsten Sinne) explodierenden „Time Bomb“ den Weg für den vorerst letzte Titel „Stay (Wasting Time)“ bereiteten. Dieses ist für mich ein ultimatives Sommerlied und schafft einfach nur uneingeschränkt gute Laune. Nach einer kurzen, obligatorischen Wartezeit erschien Dave alleine mit seiner kleinen zwölfseitigen Gitarre und sang ein sehr persönliches „Baby Blue“. Das anschließende Gabriel-Cover „Sledgehammer“ der ganzen Band begeisterte die ausgelassene Menge, bevor der Jam-Klassiker „Jimi Thing“ das Ende des Konzertes einläutete.

Ich muss gestehen, dass ich mich nach „Sugar Will“ in einem derart glückseligen, euphorischen Zustand befand, dass ich das restliche Konzert nicht wirklich konsequent beurteilen kann. Ich kann aber so viel berichten, dass die Band unheimlich viel Spaß hatte, Carters Grinsen – mal wieder – für sich sprach, Boyd während energiegeladener Soli die vordere Bühnenkante erkundete und ein derart im positiven Sinne ausuferndes Solo-Zusammenspiel von Jeff und Tim Dave sogar dazu brachte, seine Gitarre auf den Boden zu legen und gehen zu wollen. Aber im Gegenteil: keiner der Musiker war überflüssig. Es ist immer wieder fantastisch zu sehen und zu hören, wie dieses, vor Spielfreude sprühende, hochklassige Ensemble von Herzblutmusikern sich oft neu erfindet, gegenseitig neckt, miteinander kombiniert und einfach eine gute Zeit zusammen hat… und diese glücklicherweise mit uns teilt!

Dieses Konzert war ein ganz besonderes für mich… – ein „Once in a lifetime“-Moment: es hatte einen sehr persönlichen Charakter durch „Sugar Will“ und den ständigen (Augen-)Kontakt mit Tim und Dave und nicht zuletzt auch durch den Stick von Carter, der zu meinem vorgezogenen besten Geburtstagsgeschenk wurde!

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von markus-h

Dave Matthews – Ein Star auf Augenhöhe

März 9, 2010 in DMB in Europa, Interviews von markus-h

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„Wir kommen wieder“ – Interview mit Dave Matthews.

HAMBURG. Erstmals seit 1998 ist die Dave Matthews Band auf Deutschland-Tournee. Die beiden Zeitungsredakteure und DMB-Fans Markus Hanneken (Westfälischer Anzeiger) und Frank Helleken (Mainzer Allgemeine Zeitung), interviewten Dave Matthews zum Tourstart in Hamburg. Die wichtigste Botschaft: Die Band hat Vertrauen gefasst in Deutschland und will wiederkommen!

Listen to the english audio live stream on weeklydavespeak.com.

Read the english version on weeklydavespeak.com.

Hier die portugiesische Version auf www.davematthewsbandportugal.blogspot.com.

Dabei stand der Termin noch bis drei Stunden vor Konzertbeginn auf der Kippe, bevor der erlösende Anruf kam: „Es klappt: Seid um 17 Uhr am CCH!“ Yes!

Verschlungene Wege führten schließlich in die Garderobe mit der Aufschrift „Dave Matthews“. Ein winziger Raum mit einer Fensterfront, zwei Stühlen, einem Sessel, zwei Gitarren und einem kleinen Tisch mit allerlei Pflegemitteln für geplagte Stimmbänder, einer Isolierkanne und ein paar Plektra. Am Eingang standen zwei rollbare Tourneeschränke; der eine gefüllt mit einer Auswahl dunkler Hemden, der andere mit allerlei Kleinkram für den täglichen Bedarf bestückt – und ein paar Packungen Drumsticks. Überdies lag auf dem Tisch offen eine Übersicht mit allen Songs der Band – Daves Grundlage für die aktuelle Setlist, wie er später erklärte.

Wenig später erschien die Hauptperson dieser Tage, wie üblich unscheinbar gekleidet – und doch unmittelbar präsent, mit kräftigem Händedruck und sehr natürlich: „Hi, I‘m Dave…“ Fotografieren? „Klar, macht nur, aber hübscher werde ich dadurch auch nicht…“ Diktiergerätaufnahme? „Sicher… aber ich erzähle viel Zeug durcheinander… das müsst Ihr dann später selbst ordnen…“ – Ein abgehobener Star sieht anders aus!

Geduldig wartete er jede fragende Formulierung ab – und holte bei jeder Antwort weeeiiiit aus. Meistens gestikulierend und oft grinsend, selten nachdenklich und ernst, aber stets kumpelhaft und auf Augenhöhe, gönnte er dem Gespräch satte 45 Minuten statt der erhofften 30. Einen Blick auf die Setlist des Abends bekamen wir aber trotz Nachfrage nicht zu sehen – „Ich will euch nicht die Überraschung nehmen…“ Im Westfälischen Anzeiger und der Mainzer Allgemeinen wird in den kommenden Tagen eine Kurz-Fassung des Interviews zu lesen sein, für euch gibt’s hier eine längere Fassung auf deutsch.



Markus Hanneken / Frank Helleken

ProudestMonkeys.de–Interview mit Dave Matthews

PROUDESTMONKEYS: Ihr wart mit „Big Whiskey And The Groogrux King“ nominiert für zwei wichtige Grammys (Album des Jahres, bestes Rock Album), seid aber am Ende leer ausgegangen. Wart ihr enttäuscht?

DAVE MATTHEWS: Die Nominierungen waren eine schöne Überraschung. Denn ich halte dieses Album für das bislang beste. Aber ich gebe auf die Grammys nicht allzu viel. Klasse war aber, dass wir dort unseren Song „You And Me“ spielen und die Leute begeistern konnten. Ich hatte die Idee mit den ganzen Musikern, die uns dabei unterstützten. Keine Stars wie Taylor Swift, wie es die Veranstalter wollten, sondern ganz normale Musiker, die wir teilweise kannten. Und ich sagte ihnen: Schmeißt euch bloß nicht in Schale, sondern kommt, wie ihr seid!

PROUDESTMONKEYS: „Big Whiskey“ war erneut ein Riesenerfolg in den USA; hierzulande stieß es gerade einmal kurz in die Albumcharts vor. Irgendetwas ist für euch in Deutschland all die Jahre wohl falsch gelaufen…

DAVE MATTHEWS: Dass wir in den USA sehr populär sind, hat nichts mit der Plattenfirma zu tun. Am Anfang konnten wir weder eine Plattenfirma noch andere professionelle Unterstützung finden. Ich gebe nichts auf Moden und Hitsingles, die im Radio gespielt werden. Um die Herzen der Leute zu erreichen, müssen wir für sie spielen. So erkennen sie, dass da etwas ist, das anders ist, das sie nicht erwartet haben: eine „bizarre“ Band. Man findet bei uns Jazz, Fusion, Folk, Rock, Klassisches… Wir passen in keine Schublade. Deshalb sind wir besonders in Deutschland, wo uns kaum jemand kennt, für unsere Plattenfirma Warner eine große Herausforderung. Also müssen wir auch hier jetzt auftreten und spielen!

PROUDESTMONKEYS: Deshalb seid Ihr jetzt erstmals seit 1998 in Deutschland auf Tournee?

DAVE MATTHEWS: Im vergangenen Jahr, als wir in anderen europäischen Ländern gespielt haben, merkten wir, dass es hier eine kleine, sogar leicht wachsende Gefolgschaft gibt. Und dann sprachen wir mit Warner. Und nun habe ich das Gefühl, dass sie die Schale für uns zu knacken beginnen. Wir dürfen es uns nicht zu leicht machen, Erfolg zu haben. Aber es macht ja auch Spaß: Ich will nicht aufhören, vor Leuten zu spielen, die uns nicht kennen. Es ist eine wirklich tolle und ansteckende Erfahrung, zweifelnde Leute überzeugen zu müssen.

PROUDESTMONKEYS: Welche Unterschiede nimmst du wahr zwischen den wenigen tausend europäischen und den vielen amerikanischen Konzertbesuchern?

DAVE MATTHEWS: In den Staaten ist es richtig laut, alle singen mit; das ist eine richtige Gemeinschaft. Hier liegt es wohl an der fehlenden Vertrautheit mit unseren Sachen, dass die Leute lieber zuhören. Als wir 2009 in Europa Festivals gespielt haben, konnten wir erleben, wie wir die Leute neugierig gemacht haben, die eigentlich für andere Bands da waren. Und darum geht es doch! Ich mache Quatsch auf der Bühne, damit die Leute sehen, warum ich Musik mache. Selbst wenn ich vom Tod singe oder von Traurigkeit, so geht es mir doch darum zu zeigen, dass es vor allem um Spaß geht. Singen ist ein Akt der Freude, ein Akt der Abwehr gegen all das Schlechte. Und das kann ziemlich ansteckend sein. Und im besten Fall legen die Leute dann auch unsere Platten auf!

PROUDESTMONKEYS: Eines eurer Markenzeichen sind neben langen Improvisationsteilen die für jede Show wechselnden Setlists. Wann und wie stellt ihr sie zusammen?

DAVE MATTHEWS: Ich habe eine Liste mit all unseren Songs. Und dann nehme ich die Listen der jüngsten Konzerte und jener im Jahr zuvor, um das anstehende Konzert nicht allzu ähnlich zu gestalten. Die aktuelle Setlist stelle ich ein paar Stunden vorher zusammen und lasse sie dann mindestens von Carter Beauford prüfen, weil er sie ja auch kräftemäßig umsetzen muss.

PROUDESTMONKEYS: Gibt es Europa-Pläne über die laufende Tournee hinaus?

DAVE MATTHEWS: Konkrete Pläne gibt es noch nicht, aber wir wollen Europa künftig auf jeden Fall zu einem Teil unseres festen Tournee-Programms machen. Wir wissen jetzt, dass es hier ein Publikum gibt für unsere Musik, und selbst in Deutschland werden die Hallen voll. Also ist es jetzt unser Job, wiederzukommen und die geweckten Erwartungen zu bedienen – und auszubauen.

PROUDESTMONKEYS: Euer bei den Fans sehr beliebte Saxofonist LeRoi Moore ist nach seinem tragischen Tod vor zwei Jahren durch den (unter anderem durch die Band Béla Fleck and the Flecktones) etablierten und weithin bekannten Jeff Coffin ersetzt worden. Wo siehst du die musikalischen Unterschiede zwischen den beiden?

DAVE MATTHEWS: Es gibt – technisch gesehen – weltweit keinen besseren Sax-Player als Jeff; er ist phänomenal. Er kam nicht, um LeRoi zu ersetzen oder zu imitieren, sondern um seinen Platz auszufüllen. Er musste sich zwar in die fertigen Arrangements mit der Trompete fügen. Doch wenn ein Sax-Solo ansteht, darf und soll er dieses natürlich mit seinem eigenen, anderen musikalischen Farbton spielen. Beide haben einen sehr unterschiedlichen Stil – aber letztlich spielen sie beide mit demselben großen Herzen.

PROUDESTMONKEYS: Deine Band ist politisch und sozial sehr engagiert. Ihr habt euch neben anderen US-Stars zum Beispiel sehr für die Wahl von Barack Obama eingesetzt. Nun ist er seit gut einem Jahr im Amt – kannst du zufrieden sein mit dem bisher Erreichten?

DAVE MATTHEWS: Obama war gezwungen, viele Kompromisse einzugehen. Er musste seine eigene, schwierige Partei hinter sich bringen, aber gleichzeitig den weit verbreiteten Egoismus in der US-Politik bekämpfen. Ich hatte nicht erwartet, dass er Berge versetzen würde. Aber ich erwarte einen radikalen Schnitt im Rahmen dessen, was möglich ist. Ich bin in vielerlei Hinsicht enttäuscht, auch dass wir nicht schneller aus den Kriegssituationen in Afghanistan und dem Irak herauskommen. Aber unterm Strich bin ich nach wie vor überglücklich, dass Obama unser Präsident ist und nicht John McCain. Er hat die Landkarte der US-amerikanischen Politik bereits massiv verändern können, allein weil er gewählt wurde.
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von silke-s

Auftakt ohne Risiko

März 8, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von silke-s

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DMB brachten ohne große Knüller viel Stimmung ins Hamburger CCH

HAMBURG. Mit großen Augen standen viele Fans im Konzertsaal des Hamburger Congress-Centrums – dieser war zwar wie erwartet komplett bestuhlt, aber mit großen, festen Reihen wie im Kino… Rock ‘n‘ Roll geht anders, oder…?

Das bekamen Alberta Cross als Opener unmittelbar zu spüren, denn die Besucher lümmelten sich lieber in die noch spärlich besetzten Sessel oder süffelten lieber noch Drinks im Foyer, statt eine Party zu feiern. Wobei die ernste Musik der ebenso ernst agierenden Band des Matthews-Labels auch nicht wirklich zum Tanzen verführte.

Um 20.10 Uhr gingen die Lichter ein zweites Mal aus – jetzt waren die Reihen durchweg gefüllt und die Fans standen begeistert auf, um die Band lautstark zu begrüßen. „Don‘t Drink The Water“ begann das Set. Keine echte Überraschung, aber als Opener natürlich immer eine Wucht. Die Band zeigte sich ungemein spielfreudig – Dave war fantastisch aufgelegt und fesselte die Zuhörer mit starker Stimme und viel Clownerie. Und selbst der sonst oft so coole Stefan grinste und tänzelte mit neuem Hairstyle durch das ganze Konzert, ständig den Blickkontakt mit den ersten Reihen suchend. Und Boyd bekam auffällig viele Soli-Anteile.

Die Stimmung war – vor dem Hintergrund der merkwürdigen Halle und der eher risikolosen Setlist – klasse. Die meisten Fans ignorierten die Polstersessel komplett und bejubelten die Songs frenetisch. Und jenseits der vielen zu erwartenden „Big Whiskey“-Songs gab‘s ja auch das eine oder andere besonders spielfreudige Highlight: „Jimi Thing“ etwa in einer besonders langen Fassung, oder „Gravedigger“ und „Tripping Billies“. Für viele überraschend kam das hart gespielte Talking-Heads-Cover „Burning Down The House“, „Seven“ wurde im Gitarrensolo gestreckt, ebenso „All Along The Watchtower“ durch einen starken „Stairway To Heaven“-Einschub.

Mag sein, dass sich die Band mit einem „Eher-auf-Nummer-sicher“-Auftakt ein wenig in die neue Konzertserie einstimmen wollte – doch am Schluss waren die meisten Fans merklich begeistert. Der Auftritt wird – wie die anderen vier in Deutschland auch – in den kommenden Wochen auf dieser Seite als Download angeboten.

Autor: Markus Hanneken

Die Forumsdiskussion zu diesem Konzert: auf proudestmonkeys.org
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