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DMB Europa-Winter-Tour 2010 – II. Teil

April 13, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von BrettiMatthews

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Fortsetzung von DMB Europa-Winter-Tour 2010 – I. Teil

Die Zuschauer
Natürlich waren auch viele Amerikaner da, teils in Europa lebende, teils echte Dave-Heads, die über den Teich kamen, um DMB mal aus nächster Nähe in „intimate, small venues“ sehen zu können. Aber auch die europäischen Long-time Fans waren ebenso da, wie Neulinge aller Alterklassen. Wie schreib die Süddeutsche Zeitung sinngemäß nach der München-Show: Demoskopen wären froh gewesen, man hätte gut Meinungsumfragen machen können, das Publikum war hervorragend durchmischt.

In Wien waren auch gerade viele aus Osteuropa, die bislang auch keine Chance hatten, DMB live zu sehen. Doch Stefan twitterte, dass er gerne auch mal nach Polen möchte.

Die Zuschauer-Zahlen (geschätzt, nach Fan-Eindrücken)
Nach Fan-Berichten und dem, was man an Infos findet, waren wohl insgesamt rund 80.000 Zuschauer bei den 18 Konzerten, ein Schnitt von rund 4400. Gut, in Amerika brauchen DMB dafür weniger Konzerte, aber sie sind in Europa ja so zu sagen wieder in den Anfangszeiten, und auch in Amerika traten sie teilweise noch 1995 vor wenig Zuschauern auf, wie beispielsweise in Austin (Texas), vor 2799.

Die Hallen in Wien und Skandinavien waren als erste ausverkauft, aber auch nicht so überdimensioniert wie manche über dem Kanal, in Antwerpen oder in Italien. Die Hallen in Deutschland waren erfreulicherweise sehr gut gefüllt, in München und Frankfurt gab es noch Stehplätze an der Abendkasse, aber es war voll. Warum das Management an einem Montag eine 8000 Leute fassende Halle in Antwerpen anmietete, bleibt ein Rätsel. Halbvolle Hallen taten aber der Spielfreude und der Stimmung keinen Abbruch.

Hier eine zusammengetragene Übersicht ohne Anspruch, offizielle Zahlen wider zu geben:
Hamburg – 3000 CCH Saal 1 – voll
Berlin – 3500 Tempodrom – voll
Wien – 3600 Gasometer B – ausverkauft
München – 5000 Zenith – Kap.: 6,000
Mailand – 4500 Palasharp – Kap.: 7000-8000
Rom – 5000 PalaLottomatica – Kap.: 8000-9000
Padua – ??? PalaSport San Lazzaro – Kap.: 4000+
Köln – 4000 Palladium – voll
Antwerpen 2000 Lotto Arena – Kap.: 8000 (Bühne verschoben)
Amsterdam – 5000 Heineken Music Hall – Kap.: 5500
Frankfurt – 4000 Jahrhunderthalle – 4800 (Stehplätze waren noch da)
London – 18000 The O2 – 23000 (oberster Rang war verhangen)
Manchester – 3500 Apollo – voll
Dublin – 5000 The O2 – Kap.: 9500 (viele Sitzplätze verhangen)
Glasgow – 2000 Clyde Auditorium – Kap.: 3500
Birmingham – 2000 The O2 Academy – Kap.: 3000
Kopenhagen – 2000 Falkoner Salen – ausverkauft
Stockhom – 3500 Fryhuset – ausverkauft

Die Vorbands:
Es gab zwei Vorbands auf dieser Tour: Lay Low eröffnete die Abende in Skandinavien und Alberta Cross die anderen, einzig in Birmingham gab es keine Vorband.
Alberta Cross waren bereits 2009 Vorband in Europa und werden als „one of my favorites“ von Dave gepusht, wohl auch, weil sie auf seinem ATO-Label sind, oder sind sie deshalb auf seinem ATO-Label?

Die Opener/Die Zugaben
Elf verschiedene Songs wurden als „erstes Lied“ gespielt – dies bei 18 Konzerten – für Spannung zu Beginn war also gesorgt.
Am öftesten als Zugabe wurde „Baby Blue“ gespielt, solo von Dave auf einer kleinen Gitarre, damit „er größer wirke“ (O-Ton DM), dazu 4-mal das „verschwesterte“ Lied „Sister“.

Die Ticket-Preise
Für rund 50 bis 60 Euro waren Tickets für die Konzerte offiziell erhältlich. Ganz schön happig, aber jedem Fan, der lange auf die Band warten musste,sicherlich wert. Die Frage bleibt, ob mit diesen Preisen für eine relativ unbekannte Band in Europa wirklich viele Neugierige angelockt wurden, um die Fan-Basis zu verbreitern – wohl eher nicht.

Anderseits muss man natürlich auch sehen, dass eine solche Tour sicherlich nicht billig ist. Bei geschätzten 80.000 Zuschauern wären dies geschätzte etwa 4.000.000 Euro Umsatz. Hoffentlich reichte dieses Geld, um die Tour auch wirtschaftlich rentabel sein zu lassen, mit Blick auf die Zukunft.

Die Poster der Tour
Die Dave Matthews Band pflegt ja den Luxus, bei jedem Konzert ein spezielles Konzert-Poster als hochwertigen Druck in limitierter Auflage zu verkaufen. Designed werden diese Poster seit einigen Jahren von MethaneStudios.com. Bei den meisten Konzerten dieser Tour gab es Poster in einer Auflage von 400 Stück. Sie kosteten 20 Euro, kaufte man drei, gab es öfter ein viertes umsonst dazu.

Copyright: www.methanestudios.com

Meist stellen sie einen gelungenen Bezug zur Stadt her, speziell die Poster in Berlin und Köln erweckten bei mir aber den Eindruck, dass die Designer wirklich wenig Kenntnis über Deutschland haben. Die Kuckkucks-Uhr aus dem Schwarzwald bei einem Konzert in der Hauptstadt passt wie der Grand Canyon nach New York City… würde DMB mal nach Stuttgart kommen, wär es ja noch ok… und der bajuvarische Bierhumpen in Köln ist auch gewöhnungsbedürftig gewesen.

Immerhin: Wurde 2009 noch das englische Datumsformat verwendet (MM-DD-YY), so wurde nun das europäische benutzt (DD-MM-YY). Wenn ich mir jetzt mein Parisposter 2009 angucke, könnte es am 7. Januar gewesen sein oder am 1. Juli. Uneinheitlich ist auch die Schreibweise der Städte auf den Postern. Mal einheimisch geschrieben (z.B. KÖLN), mal auf Englisch (ROME), Wien war VIENNA.

Bleibt zu wünschen, dass DMB noch öfter kommen und dann auch diese Qualität besser wird.

ProudestMonkeys.de Aktionen
ProudestMonkeys.de machte sich auf dieser Tour auch bemerkbar. Zum einen wurden Flyer verteilt, zum anderen in Köln nd Frankfurt kleine Aktionen gestartet: In Köln wurde der Anfahrtsweg der Band mit SUAD und Welcome-Postern plakatiert und SUAD Plakate wurden auch an Zuschauer verteilt. Die Idee war, die Hoffnung, den Song „Sweet Up And Down“ (SUAD, zuletzt 2007 gespielt) wiederzubeleben. SUAD wurde leider nicht gespielt, auf der Rückseite stand jedoch THANK YOU. Was als Dank gedacht war, resultierte in einer„Thank You (falletinme be mice elf agin)“ –Anspielung…immerhin! pmbeachballIn Frankfurt wurden mit Beginn von „Shake Me Like A Monkey“ 11 aufgeblasene Wasserbälle gestartet, die die Aufschrift „ProudestMonkeys.de“ trugen. Das Publikum ließ sie durch die Luft fliegen, die Band spielte „Beach Ball“ aber leider nicht. Es war wohl nicht geprobt. Ein Ball lag aber drei Songs lang auf der Bühne!

Feedback der Band
Der Band hat die Tour wohl gut gefallen und es ist anzunehmen, dass sie wieder nach Europa kommen. Die Crew äußerte sich entsprechend, so wie etwa in München:

DMBand.com Road Page Notes

Just coming off the stage after an amazing show in Munich. We played a big’ol building from 1918 that used to be a railway repair facility. The weirdest places seem to bring out the best shows. We’re having a blast out here. Looking forward to a day off in Milan before our show there on Monday. See you soon. Ciao.
The DMB Crew
Saturday, February 20 5:33 PM EST

Oder nach London:

DMBand.com Road Page Notes


We continue to rock our way across Europe. This tour has been a blast so far. We’ve been enjoying the company of the band Alberta Cross as they’ve opened the shows over here. If you haven’t had the pleasure of hearing these guys, we suggest you do. They’re a crew favorite. Last night’s show at the O2 Arena in London included the return of Sugar Will. We’ve been excited to hear that tune again. In a short while, the doors will be opening here at the Apollo Theatre in Manchester for the show this evening. See you soon…
The DMB Crew
Sunday, March 7
12:25 PM EST

Auch Stefan Lessards Tweets bei Twitter zeigten, dass er sehr angetan war, so schreib er z.B.: Happy St Patrick’s Day. Drink some beer and party good tonight! I’ll catch y’all in may for the summer tour. PS. I Miss Europe already!! 6:46 PM Mar 17th via Twitterrific (back in the USA (BM))

Last gig in Europe today, I could spend a lot more time here, I hope we come back sooner then later! I’m quite sad to be leaving. 7:32 AM Mar 15th >via Twitterrific (in Stockholm (BM))

Stefan postete bei Facebook auch viele seiner selbst aufgenommenen Bilder – ein echtes Andenken…

Auch Dave äußerte sich in Interviews positiv!

Epilog:
Hoffentlich waren sie nicht nur auf einer „City-Sightseeing-Tour mit Konzerten“, sondern wollen wirklich auch den europäischen Markt von nun an mit regelmäßigen Tourneen bearbeiten und erobern!

This was hopefully NOT DMB’s “Last Stop” in Europe…welcome back 2011!

rashwanundmarkus

Und wer weiß: Schmeckte es Rashawn im Kölner McDonald ?!

- BrettiMatthews 7.4.2010
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DMB Europa-Winter-Tour 2010 – I. Teil

April 13, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von BrettiMatthews

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European TourWar es nicht vorgestern, als die Winter-Europa Tour 2010 der Dave Matthews Band angekündigt wurde? Kommt es Euch nicht auch vor, als ob die Tour erst gestern zu Ende ging? Unglaublich – so lang dieser Winter war, so schnell gingen die Wochen der einmonatigen Europa-Tour von DMB vorbei – Zeit für einen kleinen Rückblick.

Vorgeschichte:
2007 schnupperte DMB nach neun langen Jahren erstmals wieder europäische Luft: vier Konzerte und das PinkPop Festival in Holland. Auf dem Programm standen London und Dublin, dazu Brüssel und Lissabon. In Portugal gab es schon lange Internet-Petitionen an die Band, doch mal nach Portugal zu kommen (Selbst ich als Deutscher schrieb mich ein). Das Lissabon-Konzert war so sensationell, dass die Band es nicht nur als LiveTrax 10 veröffentlichte, sondern wohl auch Geschmack daran fand, den europäischen Markt zukünftig erneut zu versuchen.

2009 überquerten DMB erneut den Atlantik: Das neue Album „Big Whiskey and the Groogrux King“ wurde auf einigen Festivals (darunter Montreux) im Juni/Juli vorgestellt. Neben den Festival-Auftritten gab es komplette Shows in Brixton, Wolverhampton, Paris und erneut Amsterdam. Auch in Italien gab es erstmals einen Auftritt: in der Toskana spielte DMB in Lucca einen tolle, lange Open-Air-Show, die später im Album Europe 2009 komplett veröffentlicht wurde. Hier war die gute Fan-Arbeit von Con-Fusion (der italienischen Fan-Organisation) maßgeblich daran beteiligt. Die zweite Brixton Show wurde mit demselben Album als DVD veröffentlicht – toll!

Deutschland wurde weiterhin ausgespart. Einzig Dave und Tim spielten vor handverlesenem Publikum bei Warner (ihrer neuen Plattenfirma in Europa) in der Deutschland-Zentrale in Hamburg einen kleinen Akustik-Set.

Europa Winter-Tour 2010:
Noch vor der Veröffentlichung der US-Sommer-Tour Daten wurde eine Winter-Tour von DMB angekündigt: 18 Konzerte, davon fünf in Deutschland, erstmals eines in Österreich, drei Konzerte in Italien, je eines in Dänemark, Schweden und Irland. Dazu erneut Amsterdam, ein Konzert in Belgien und vier in Groß-Britannien.

DEUTSCHLAND: Hamburg, Berlin, München, Köln und Frankfurt
ÖSTERREICH: Wien
ITALIEN: Mailand, Rom und Padua
NIEDERLANDE: Amsterdam
BELGIEN: Antwerpen
UK: London, Manchester, Glasgow und Birmingham
IRLAND: Dublin
DÄNEMARK: Kopenhagen
SCHWEDEN: Stockholm

Die Konzerte in Skandinavien waren rasch ausverkauft gemeldet, umso erstaunlicher, dass diese zwei Konzerte im Anschluss vom Anfang der Tournee ans Ende verlegt wurden. Somit gab es einen Tour-Start in Deutschland, in Hamburg. Bis auf Amsterdam und London wurden alle Stationen 2009 nicht betourt, so dass es klar war, dass es wieder eine sehr „Big Whiskey and the Groogrux King“-lastige Promotion Tour werden würde. Immerhin ist dieses Album durch den Wechsel der Plattenfirma auxh as einzig aktuell in Läden erhältliche Album außerhalb der Imports – irgendwo also eine Art Neustart für DMB in Europa.

Die Songs
songstatistikDMB spielte 12 der 15 Songs von Big Whiskey, wie das Album in Europa erschien. Einzig „Grux“, „Dive In“ und „Write a Song“ wurden nicht gespielt. Jedes Konzert enthielt „Funny the way it is“, „Shake me like a monkey“, „Lying in the hands of God“ und „Seven“, die wohl beliebtesten vier Songs der Band oder von Dave auf dem neuen Album.
Erstaunlich, dass das Leroi gewidmete „Why I am“ fünfmal nicht gespielt wurde und auch das Daves Tochter Stella gewidmete „Alligator Pie“ lediglich dreimal gespielt wurde. Die meisten Big Whiskey Songs wurden in München gespielt (10), im Schnitt wurden sieben bis acht Songs des neuen Albums gespielt, rund die Hälfte aller Songs waren „aktuelle“ – die zu erwartende Promotion-Tour!

Von den CDs Stand Up und Everyday – im allgemeinen bei den Fans als schwächste Alben gewertetet – wurden insgesamt nur drei verschiedene Songs gespielt: neben einem „When the world ends“ in Padua insgesamt auch viermal „Everyday“, von Stand Up wurde insgesamt 12mal „You might die trying“ gespielt. Ein Song, der sich unglaublich gut entwickelt hat und ein echtes Erlebnis ist für Band und Publikum.

Für alle lang eingesessenen Fans wurden aber auch ein paar Perlen gestreut:
Big Eyed Fish“ tauchte in England wieder auf und schwamm bis Tourende. „Sugar Will“ erlebte auch ein Comeback. Nach einigen Anspielungen wurde London mit einer Voll-Version überrascht.

Wirklich einmalige Erlebnisse gab es zudem neben Padua (“When the worls ends”, “One sweet world”) auch in München („PNP/Rapunzel“), in Frankfurt („Granny“, „Loving Wings“), in Rom (“The Maker”, “Warehouse”) und in London (“Stay”).

Insgesamt wurden auch fünf verschiedene Coverversionen gespielt. All along the watchtower (Bob Dylan/ 9x) Burning down the house (Talking Heads/ 6x) Sledgehammer (Peter Gabriel/ 5x) Still Water (Daniel Lanois/ 4x, jedoch nie vollständig) The Maker (Daniel Lanois/ 1x)

Gespielte, bislang als Studio-Version unveröffentlichte Songs: Anyone seen the bridge (6x gespielt) Sister (4x gespielt) Granny ( 1x gespielt) Sugar will (2x gespielt)

Die Band zeichnete eine große Spielfreude aus. Es war immer sehr viel Intensität auf der Bühne zu spüren. „Lying in the hands of God“ hat sich zu einem langen Stück entwickelt mit tollen Solo-Einlagen seitens. Loving Wings in Frankfurt dauerte auch fast neun Minuten und hatte in der zweiten Hälfte tolle Sequenzen von Jeff und Rashawn. Two Stepp enthielt wieder phantastische Drum-Solos von Carter. Boyd geriet dabei bei manchen Konzerten etwas aus dem Blickfeld – er erschien schon einmal präsenter mit seinen Solos. Lag das an der Songauswahl oder Besetzung?

Fortsetzung – Tour-Rückblick II. Teil
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von ggdm41

Der Fisch mit dem großen Auge kehrt zurück

März 16, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von ggdm41

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English version on: weeklydavespeak.com
(Feel free to comment here in english down below).
Voici la version française

The Birmingham Big Eyed Fish
BIRMINGHAM. Wenn man den größten DMB-Fan Europas suchen würde – der Engländer Andy Clark würde auf jeden Fall in die engere Auswahl kommen. Der große Kerl aus Birmingham besucht nicht nur jedes Konzert, das irgendwie in seinen Plan passt – er versucht auch immer, der erste vor Ort zu sein und, mit Hilfe seiner Tochter Lauren, brachte er den „Big Eyed Fish“ nach dreieinhalbjähriger Pause wieder auf die Bühne.

Das Ganze begann am Abend vor dem Birmingham-Konzert, also am 11. März, bei seiner Freundin am Esstisch: „Meine 14-jährige Tochter Lauren wollte, dass ich ihr ein Schild für das Konzert mache. Spontan dachte ich an einen riesigen Goldfisch mit einem großen Auge…“ Auch Freundin Nicola brachte sich ein mit ihrer siebenjährigen Tochter Georgia, die beim Ausmalen half.

Erste Anerkennung bekam das „Birmingham Request Sign“ schon kurz nachdem der Automechaniker ein Foto davon auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte: „Ich habe es mit 50 Leuten verlinkt, und in innerhalb einer Stunde hatten schon an die 100 Leute mit viel Beifall darauf reagiert.“

Nach Rom, London und Manchester sollte das Gastspiel seiner Lieblingsband in seinem Wohnort der krönende Abschluss der persönlichen Konzert-Serie des 45-Jährigen sein.



Weil er immer so früh da ist, sichert sich Andy auch immer den Platz in der ersten Reihe. „Außer in Rom, da waren die Con-Fusion-Mitglieder (der italienische Fan-Club) vor mir. Aber das Mädchen vor mir war ziemlich klein“, ergänzt er mit einem Lächeln.

In Birmingham war Andy sogar so früh da, dass er mithalf, die Buchstaben auf dem Hinweisschild an der Halle auszutauschen. Dann tauschte er sich mit den DMB-Crew-Mitgliedern aus, und als dann irgendwann Fan Nummer zwei auftauchte – „ging ich erst mal frühstücken.“ Kurze Zeit später kamen die üblichen Verdächtigen: „Ich schätze, dass ich mindestens 15 der ersten 20 schon kannte.“ DMB-Süchtige unter sich….

Andy Clark hält den BEF hoch.

Andy Clark hält den BEF hoch.

„Wir haben dann ein paar Bilder gemacht, wie ich den Fisch hoch halte, bevor ich ihn für die Show sicher verstaut habe“, erinnert er sich. Und dann wurden noch mehr Bilder gemacht, ein paar Bier gekippt, alte Bekanntschaften gepflegt und neue geknüpft. „Der Höhepunkt vor dem Konzert war, als ich Dave auf dem Weg zur Halle traf. Er unterschrieb mein Manchester-Tour-Plakat und ließ sich mit mir fotografieren.

Ein europäischer DMB-Fan zu sein, hat seine Vorteile (es gab allerdings auch eine lange Dürreperiode!). In die O2-Academy in Birmingham passen nur 2700 Besucher, und war nach Andys Schätzung noch nicht mal ausverkauft: „Ich war wieder in der Mitte vorne – eigentlich war Lauren in der Mitte und ich rechts neben ihr. Als die Band auf die Bühne kam, hielt ich mein legendäres ‘Carter-Rocks’-Schild hoch – wie immer verkehrt herum. Normal fordert mich Carter immer auf, es umzudrehen, aber dieses Mal war es Dave.“ Die Halle war so eng, dass der Birminghamer näher an Dave stand als die restlichen Bandmitglieder.

Andy, Kyri und Upeka warten auf DMB.

Andy, Kyri und Upeka warten auf DMB.

Nach dem zweiten Lied (“Satellite”) bat Andy seine Tochter, das Schild rauszuholen. Lauren streckte es hoch und Dave schaute drauf und lächelte… und nickte. „Er spielte es drei Mal während des Sets mit ein paar Akkorden und ein paar Textzeilen an, und jedes Mal reagierte die Menge mit viel Begeisterung.“ – Es war ein spezieller Moment und Andy war sich sicher, dass der große Moment noch kommen würde. „Als Dave den Song das zweite Mal anspielte, murmelte Dave etwas wie: „Der ist da irgendwo in der hintersten Ecke meines Gehirns versteckt – aber er ist irgendwo da…“

Als Dave für die Zugabe wieder auf die Bühne kam, glaubte Andy schon, dass der Fisch verloren sei und vermutete statt dessen „Baby Blue“, mit dem es meist in die Zugabe geht… Jedoch – WOW! Dave spielte noch mal solo ein paar Verse des „Big Eyed Fish“. Die Menge flippte zunächst aus, stimmte dann aber andächtig ein. „Das war meisterhaft. Auch Tage danach bekomme ich noch Gehänsehaut, wenn ich daran denke“, kann der Held des Abends seine Emotionen immer noch nicht kontrollieren. Lauren rief in der der Mitte des Songs ein lautes „Thank You“ zu Dave. Und nach dem Song antwortete Dave: „Das war für die bezaubernde Dame und ihr tolles Schild hier vorne!“.

Lauren und Dave.

Lauren und Dave.

Nach der Show ließ sich Lauren mit Dave und dem „Fish“ noch mal ablichten, und sogar der Band-Fotograf machte noch eine Menge Aufnahmen von dem Auflauf und insbesondere von dem Schild. Obwohl der „Big Eyed Fish“ erst zwei Tage später in Kopenhagen als Opener in seiner vollen Pracht von der kompletten Band gespielt wurde, wurde er in Birmingham wiedergeboren dank eines kleinen (großen) Schildes, einer 14-Jährigen und ihres Vaters.

Vor ‘Seven’ kam, glaube ich, der längste Tease, wo er etwas aus dem Monkey-Verse sang mit einem lustigen Dave-typischen Ende – das brachte die Menge richtig zum Kochen und von überall her hörte ich erfreutes Lachen“, erinnert sich der langjährige Dave-Fan Kyri Karaiskakis. Der Londoner ist schon seit etwa 14 Jahren DMB-infiziert und besuchte sein insgesamt fünftes Konzert, sein zweites in diesem Jahr nach London; er freut sich aber schon auf Alpine im Sommer, wohin ihn Co-Fan Upeka begleiten wird. Er hatte seinen Anteil an BEF, in dem er das Ganze mit seiner Kamera festhielt: „Seine Solo-Version schlug ein wie eine Bombe. Es waren nur zwei Verse, aber es fühlte sich an wie ein ganzer Song, und es war überwältigend zu hören, wie der ganze Saal einstimmte.“

We did it!

We did it!

Dem DMB-almanac.com zufolge wurde BEF das letzte Mal im September 2006 in Denver gespielt. Es war der zweite Song während der Europa-Tournee, der es auf Drängen der Fans wieder in die Setlists geschafft hat. Kurz zuvor hatte die Deutsche Rena Purnhagen „ihren“ Abend in der Londoner O2-Arena, als DMB ihr Bitten erhörte und “Sugar Will” das erste Mal seit 132 Konzerten wieder spielten. Rena zeigte ihr Schild in allen Shows, die sie zuvor besuchte (Hamburg, Berlin, Köln und Amsterdam), und sie wurde vor London bereits zwei Mal belohnt, als Dave den Song in Köln und Amsterdam kurz anspielte.

Der „Birmingham Big Eyed Fish“ war übrigens nicht das erste Mal, dass Andy Clark in der DMB-Community für Schlagzeilen gesorgt hat: Auf der DVD Europe 2009 spricht er als Fan die einleitenden Worte zur Brixton-DVD.
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von silke-s

„Sugar Will“ oder Rena in London

März 12, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von silke-s

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Konzertreview zu DMB in London, 06. März 2010

Autor: Rena

Wer von uns hat die besondere Einzigartigkeit jedes DMB-Konzertes anderen gegenüber nicht auch schon mal zu erklären versucht: „Wie? Du fliegst für ein Konzert, für einen Abend nach London? Und Du hast in den zwei Wochen davor schon vier Konzerte derselben Band besucht?!“ Ja, habe ich: London sollte nach Hamburg, Berlin, Köln und Amsterdam den krönenden Abschluss bilden.

Während DMB im letzten Jahr mit den zwei Konzerten in der Brixton-Academy die Europatour gestartet haben – Ich hatte mich danach geärgert, nur für die erste Nacht Tickets bestellt zu haben, denn die tolle Atmosphäre in der im Art-Deko-Stil gehaltenen Academy hat einen wunderbaren Rahmen für die ersten Liveperformances von „Big Whiskey“ abgegeben –, hatte man nun diese intim anmutenden Location gegen die „World of entertainment under one roof“ – der neuen O2 Arena in North Greenwich – eingetauscht. Hier sollten 20.000 Zuschauer das Konzert verfolgen können. Für mich macht aber auch die Nähe zur Bühne oftmals einen Großteil des Konzerterlebnisses aus, so dass wir uns schon vorher den Kopf zerbrachen, wie man diese am besten erreichen würde und wann man sich wohl anstellen müsste. Deshalb befanden wir uns gegen 16 Uhr (drei Stunden vor Showbeginn) in der Gastronomie besagter Arena auf der Suche nach einem letzten Kaffee als Frank (wir hatten uns beim Köln-Konzert kurz kennengelernt) per SMS verkündete, dass er gerade ein Pre-entry-Armband bekommen hätte. Also haben wir den Kaffee kalt werden lassen und sind zum Einlass gestürmt, um eines der letzten besagten Bänder zu ergattern. Wir waren nun in bester Gesellschaft: mitten unter DMB-Anhängern verschiedenster Nationalitäten, die auch in der Europe-2009-Fotodokumentation gerne mal auf fast jedem Konzert in der ersten Reihe abgelichtet worden waren und die an diesem Morgen teilweise auch schon um 9 Uhr Ihren Posten an der Absperrung bezogen hatten. Die Stimmung war wie zu erwarten klasse. Es wurde gemeinsam gesungen oder zumindest mitgesummt, Lastminute-Schilder auf Pizzakartons gemalt (die immerhin einen Stick von Carter einbrachten!) und gemeinsam dem Konzert entgegengefiebert. Zehn Minuten vor dem offiziellen Einlass durften wir dann als erste Gruppe „Auserwählter“ mit insgesamt etwa 20 Mann vorab in die riesige Halle hineinspazieren und Position vor der Bühne beziehen.

„Alberta Cross“ waren ja schon fast alte Bekannte, schienen aber Ihre Setlist zu den vorherigen Konzerten etwas abgewandelt zu haben. Ich mag Ihre Musik recht gerne, aber die doch spezielle Stimme des Sängers ist nicht ganz die meine. Dies ging wohl auch dem Großteil der restlichen Zuschauer in der mittlerweile gut gefüllten Halle so, denn hinter den ersten noch interessierten Reihen schienen die Bemühungen der Jungs keine rechten Abnehmer zu finden.

Nun brauchen DMB ganz bestimmt keine Einheizer, sondern übernahmen es nach einem einstimmenden „Still Water“ mit „Don‘t Drink the Water“ selbst, den begeisterten Fans einen gehörigen Einstieg zu bereiten, um dann mit „Lying in the Hands of God“ wieder etwas ruhiger zu werden. Den früheren Live-Versionen des sich anschließenden „Shake Me Like A Monkey“ fehlte meiner Meinung nach im Vergleich mit der Studio-Aufnahme immer die perfekte Abstimmung. Diese hat sich nun scheinbar eingespielt, denn der auf der CD treibende, mitreißende Titel überzeugte auch hier.

Was nun folgen sollte, hatte ich nicht zu hoffen gewagt: bei den vorherigen Konzerten dieser Tour hatte ich jeweils aus den ersten Reihen mein „Sugar Will“-Schild hochgehalten. Nun weiß man eigentlich, dass Dave (als Verfasser der Setlisten) nicht unbedingt für Vorschläge offen ist und während der Tour hielt sich die Abwechslung ja auch bekanntermaßen in Grenzen. Gleich in Hamburg aber hatte Dave das Schild für gut befunden und sogar signiert. Er und Tim erkannten es wohl auch immer wieder und so konnten wir in Köln von einem grinsenden Tim gespielte erste Riffs genießen. Als auch Dave dann in Amsterdam zwischen zwei Songs bis über beide Ohren grinsend mir quasi ein „gefühltes Ständchen“ gab, war ich eigentlich schon mehr als glücklich über die wenigen vertrauten und lang vermissten Töne. In London aber begannen nun Rashawn und Jeff eben diese Töne zu spielen und ein Blick auf den verschmitzt dreinblickenden (mir fällt kein besseres Wort für diesen Blick ein) Dave bestätigte das für mich unfassbare: SUGAR WILL! Mit weichen Knien habe ich mein Lieblingslied verfolgen dürfen. Der Text war erwartungsgemäß größtenteils gegenüber der 2004er oder 2008er Fassung neu geschrieben und auch der fehlenden Butch veränderte den Titel etwas. Aber Tims Beitrag dazu machte jedes Tasteninstrument auf eine andere Art und Weise mehr als wett.

An dieses, mein absolutes Highlight schloss sich nach einem immer wieder beeindruckenden „You Might Die Trying“ und einem mitreißendem „Funny The Way It Is“ eine sehenswerte Tanzeinlage Daves während eines funkigen „Seven“ an. Nach einem wunderbaren, gefühlvollem „Crush“ mit einer sich daraus entwickelnden minutenlangen Jameinlage, kamen auch die Klassiker „So Much to Say“ und „Ants Marching“ zu Ihrem Recht. Auf „Spaceman“ folgte ein in die Tanzbeine schießendes „Cornbread“ bevor das emotionale „You & Me“ (mit der tollen Drumeinlage Carters) und das (im wahrsten Sinne) explodierenden „Time Bomb“ den Weg für den vorerst letzte Titel „Stay (Wasting Time)“ bereiteten. Dieses ist für mich ein ultimatives Sommerlied und schafft einfach nur uneingeschränkt gute Laune. Nach einer kurzen, obligatorischen Wartezeit erschien Dave alleine mit seiner kleinen zwölfseitigen Gitarre und sang ein sehr persönliches „Baby Blue“. Das anschließende Gabriel-Cover „Sledgehammer“ der ganzen Band begeisterte die ausgelassene Menge, bevor der Jam-Klassiker „Jimi Thing“ das Ende des Konzertes einläutete.

Ich muss gestehen, dass ich mich nach „Sugar Will“ in einem derart glückseligen, euphorischen Zustand befand, dass ich das restliche Konzert nicht wirklich konsequent beurteilen kann. Ich kann aber so viel berichten, dass die Band unheimlich viel Spaß hatte, Carters Grinsen – mal wieder – für sich sprach, Boyd während energiegeladener Soli die vordere Bühnenkante erkundete und ein derart im positiven Sinne ausuferndes Solo-Zusammenspiel von Jeff und Tim Dave sogar dazu brachte, seine Gitarre auf den Boden zu legen und gehen zu wollen. Aber im Gegenteil: keiner der Musiker war überflüssig. Es ist immer wieder fantastisch zu sehen und zu hören, wie dieses, vor Spielfreude sprühende, hochklassige Ensemble von Herzblutmusikern sich oft neu erfindet, gegenseitig neckt, miteinander kombiniert und einfach eine gute Zeit zusammen hat… und diese glücklicherweise mit uns teilt!

Dieses Konzert war ein ganz besonderes für mich… – ein „Once in a lifetime“-Moment: es hatte einen sehr persönlichen Charakter durch „Sugar Will“ und den ständigen (Augen-)Kontakt mit Tim und Dave und nicht zuletzt auch durch den Stick von Carter, der zu meinem vorgezogenen besten Geburtstagsgeschenk wurde!

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von silke-s

Auftakt ohne Risiko

März 8, 2010 in DMB in Europa, Konzertreviews von silke-s

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DMB brachten ohne große Knüller viel Stimmung ins Hamburger CCH

HAMBURG. Mit großen Augen standen viele Fans im Konzertsaal des Hamburger Congress-Centrums – dieser war zwar wie erwartet komplett bestuhlt, aber mit großen, festen Reihen wie im Kino… Rock ‘n‘ Roll geht anders, oder…?

Das bekamen Alberta Cross als Opener unmittelbar zu spüren, denn die Besucher lümmelten sich lieber in die noch spärlich besetzten Sessel oder süffelten lieber noch Drinks im Foyer, statt eine Party zu feiern. Wobei die ernste Musik der ebenso ernst agierenden Band des Matthews-Labels auch nicht wirklich zum Tanzen verführte.

Um 20.10 Uhr gingen die Lichter ein zweites Mal aus – jetzt waren die Reihen durchweg gefüllt und die Fans standen begeistert auf, um die Band lautstark zu begrüßen. „Don‘t Drink The Water“ begann das Set. Keine echte Überraschung, aber als Opener natürlich immer eine Wucht. Die Band zeigte sich ungemein spielfreudig – Dave war fantastisch aufgelegt und fesselte die Zuhörer mit starker Stimme und viel Clownerie. Und selbst der sonst oft so coole Stefan grinste und tänzelte mit neuem Hairstyle durch das ganze Konzert, ständig den Blickkontakt mit den ersten Reihen suchend. Und Boyd bekam auffällig viele Soli-Anteile.

Die Stimmung war – vor dem Hintergrund der merkwürdigen Halle und der eher risikolosen Setlist – klasse. Die meisten Fans ignorierten die Polstersessel komplett und bejubelten die Songs frenetisch. Und jenseits der vielen zu erwartenden „Big Whiskey“-Songs gab‘s ja auch das eine oder andere besonders spielfreudige Highlight: „Jimi Thing“ etwa in einer besonders langen Fassung, oder „Gravedigger“ und „Tripping Billies“. Für viele überraschend kam das hart gespielte Talking-Heads-Cover „Burning Down The House“, „Seven“ wurde im Gitarrensolo gestreckt, ebenso „All Along The Watchtower“ durch einen starken „Stairway To Heaven“-Einschub.

Mag sein, dass sich die Band mit einem „Eher-auf-Nummer-sicher“-Auftakt ein wenig in die neue Konzertserie einstimmen wollte – doch am Schluss waren die meisten Fans merklich begeistert. Der Auftritt wird – wie die anderen vier in Deutschland auch – in den kommenden Wochen auf dieser Seite als Download angeboten.

Autor: Markus Hanneken

Die Forumsdiskussion zu diesem Konzert: auf proudestmonkeys.org
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